Wie innere Prozesse Stress, Symptome und Heilung beeinflussen
Von Marc Alexander Holtz, Beziehungscoach
Die Verbindung zwischen Denken und körperlicher Reaktion
Gedanken und Nervensystem wirken nicht unabhängig voneinander. Ein einzelner belastender Gedanke kann ausreichen, um messbare physiologische Veränderungen auszulösen: eine erhöhte Herzfrequenz, flachere Atmung, Muskelanspannung oder eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit.
Diese Reaktionen sind Ausdruck der Aktivierung des autonomen Nervensystems.
Für das Nervensystem ist nicht entscheidend, ob eine Situation objektiv gefährlich ist, sondern wie sie interpretiert wird. Fühlt sich ein Gedanke bedrohlich an, reagiert der Körper entsprechend.
Wenn das Gehirn keine zeitliche Unterscheidung trifft
Das menschliche Gehirn unterscheidet nur begrenzt zwischen einer aktuellen Gefahr und einer Erinnerung an frühere Erfahrungen. Gedanken, innere Bilder oder Bewertungen können daher dieselbe Stressreaktion auslösen wie reale Bedrohungen.
In diesem Zustand werden Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Der Körper wechselt in einen Überlebensmodus, der kurzfristig sinnvoll ist, langfristig jedoch belastend wirken kann.
Für das Nervensystem zählt nicht die äußere Realität, sondern die emotionale Wahrheit des Moments.
Chronische Aktivierung und ihre Folgen
Wenn diese Stressreaktion nur gelegentlich auftritt, reguliert sich das System von selbst.
Wird sie jedoch über längere Zeit immer wieder aktiviert – oft durch Muster wie permanentes Grübeln, übermäßige Selbstkritik oder das fortwährende Antizipieren negativer Ereignisse – kann sich eine chronische Übererregung des Nervensystems entwickeln.
In einem solchen Zustand beeinflusst Stress zentrale körperliche Prozesse, darunter:
Schmerzverarbeitung
Energieniveau und Erschöpfung
Verdauung
Schlafqualität
hormonelle Balance
Immunfunktion
Der Körper befindet sich dann nicht mehr in einer Reaktion auf die Gegenwart, sondern in einer dauerhaften Schutzstrategie.
Nervensystemarbeit in Coaching und Therapie
Im Coaching und in der therapeutischen Begleitung geht es daher nicht darum, Gedanken „wegzumachen“, sondern die zugrunde liegende Aktivierung des Nervensystems zu verstehen und zu regulieren.
Der Körper kann lernen, Sicherheit zu erkennen.
Regulation ist erlernbar.
Durch gezielte Arbeit an Wahrnehmung, Ressourcen, Unterbrechung alter Muster und dem Aufbau von Kapazität kann das Nervensystem schrittweise aus dem dauerhaften Überlebensmodus herausfinden. Dadurch wird es möglich, Stressreaktionen zu reduzieren und wieder flexibler auf das Hier und Jetzt zu reagieren.
Der Körper schützt nicht grundlos – er reagiert auf das, was er gelernt hat. Und Lernen ist veränderbar.
Reflexionsfrage
Welche inneren Bewertungen oder Gedankenmuster aktivieren dein Nervensystem regelmäßig – und wie würde sich dein Erleben verändern, wenn dein Körper beginnen dürfte, die Gegenwart als sicher zu interpretieren?
