Warum unsere Geschichte uns nicht festlegt – sondern vorbereitet
Von M.A. Holtz, Beziehungscoach
Einleitung
„Das Vergangene ist nur der Auftakt.“ Dieses Shakespeare zugeschriebene Zitat bringt in einem Satz auf den Punkt, was viele Menschen erst nach Jahren – oder Krisen – begreifen: Unsere Vergangenheit ist kein Urteil, sondern ein Anfang. Sie erklärt, woher wir kommen, aber nicht, wohin wir gehen müssen. Gerade in Zeiten persönlicher Umbrüche oder gesellschaftlicher Unsicherheit entfaltet dieser Gedanke eine besondere Kraft.
Vergangenheit als Fundament, nicht als Fessel
Psychologisch betrachtet speichert unser Gehirn Erfahrungen nicht, um uns zu lähmen, sondern um Orientierung zu geben. Erinnerungen dienen als Referenzrahmen: Sie helfen uns, Muster zu erkennen, Gefahren einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Problematisch wird es erst dann, wenn wir Vergangenes mit Identität verwechseln – wenn aus „Das habe ich erlebt“ unbewusst „Das bin ich“ wird.
Shakespeares Gedanke widerspricht genau dieser Verwechslung. Die Vergangenheit ist der Auftakt, nicht das ganze Stück.
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Warum Menschen an ihrer Geschichte festhalten
Menschen neigen dazu, an bekannten Erzählungen über sich selbst festzuhalten – selbst dann, wenn diese schmerzhaft sind. Aus psychologischer Sicht bietet das Vertraute Sicherheit. Veränderung hingegen bedeutet Unsicherheit, und das mag das Gehirn ungefähr so sehr wie einen Zahnarzttermin ohne Betäubung.
Doch Entwicklung entsteht nicht durch Wiederholung, sondern durch Neubewertung. Wer seine Vergangenheit als Prolog versteht, erkennt: Sie hat vorbereitet, nicht begrenzt.
Erfahrungsberichte KlientInnen
Der Auftakt als Lernphase
Ein Auftakt existiert, um Themen einzuführen, nicht um sie abzuschließen. Fehler, Brüche und Umwege gehören dazu. Psychologisch sprechen wir hier von posttraumatischem Wachstum: der Fähigkeit, aus belastenden Erfahrungen neue Perspektiven, Stärke und Klarheit zu entwickeln.
Das Vergangene liefert Material – Werte, Erkenntnisse, Grenzen – aus denen Zukunft geformt wird. Es ist Rohstoff, kein Bauplan.
Die Freiheit der bewussten Neuausrichtung
Wer akzeptiert, dass das Vergangene nur der Beginn ist, gewinnt Handlungsspielraum. Entscheidungen werden nicht länger aus alten Mustern heraus getroffen, sondern aus gegenwärtiger Klarheit. Identität wird beweglich. Man darf sich neu definieren, ohne das Alte zu verleugnen.
Das ist keine Verdrängung, sondern Integration.
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Fazit: Das Stück beginnt jetzt
Shakespeares Gedanke erinnert uns daran, dass unser Leben nicht aus abgeschlossenen Kapiteln besteht, sondern aus Übergängen. Die Vergangenheit erklärt uns – aber sie schreibt uns nicht vor. Sie ist der Auftakt, das Stimmen der Instrumente, das Anheben des Vorhangs.
