Resentments in Partnerschaften

Resentments – im Deutschen oft als Groll, Verbitterung oder nachtragender Ärger übersetzt – sind in Partnerschaften kein akuter Konflikt, sondern ein aufgestauter, nicht verarbeiteter Affekt.

Sie entstehen selten durch ein einzelnes Ereignis. Sie entstehen durch Wiederholung + Nicht-Ansprechen + innere Anpassung.

Von M.A. Holtz, Beziehungscoach

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Was sind Resentments psychologisch?

Resentment ist ein sekundäres Gefühl. Unter der Oberfläche liegen meist:

  • Enttäuschung
  • Verletzung
  • Ohnmacht
  • nicht erfüllte Bedürfnisse
  • nicht gesetzte Grenzen

Wenn diese Primäraffekte nicht reguliert, kommuniziert oder integriert werden, verdichten sie sich zu Groll.

Man könnte sagen: Resentment ist konservierte Enttäuschung.

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Was KlientInnen sagen

Wie entstehen sie in einer Partnerschaft?

Typischer Ablauf:

  1. Etwas verletzt dich.
    (z. B. fehlende Verbindlichkeit, Unzuverlässigkeit, emotionale Abwesenheit)
  2. Du sagst nichts oder relativierst es.
    – „Ist ja nicht so schlimm.“
    – „Ich will keinen Streit.“
    – „Ich muss da souverän sein.“
  3. Du passt dich an.
    Du schluckst Bedürfnisse, gehst über Grenzen, regulierst dich allein.
  4. Wiederholung
  5. Innerer Abstand entsteht.
    Du wirst kühler. Sarkastischer. Kritischer.
    Nicht laut – aber innerlich entfernt.

Das ist der Beginn von Resentment.

Woran erkennt man Resentments?

  • Du reagierst überproportional gereizt auf Kleinigkeiten
  • Du zählst innerlich „Schuldpunkte“
  • Du bringst alte Themen immer wieder hoch
  • Du fühlst dich moralisch überlegen
  • Intimität nimmt ab
  • Passiv-aggressives Verhalten
  • Ironie, Sticheleien
  • Sexuelle Distanz

Resentment ist selten explosiv.

Es ist eher erosiv. Es frisst die Verbindung langsam von innen.

Der Kernmechanismus

Resentments entstehen dort, wo Selbstverantwortung fehlt:

  • Entweder du setzt deine Grenze nicht.
  • Oder du sprichst dein Bedürfnis nicht aus.
  • Oder du bleibst in einer Dynamik, die dir nicht gut tut.

Groll ist oft das Ergebnis von:

„Ich habe mich selbst verlassen – und mache dich jetzt dafür verantwortlich.“

Das ist unbequem. Aber präzise.

Bindungsdynamisch betrachtet

Bei Menschen mit unsicherer Bindung (ängstlich oder vermeidend) entstehen Resentments besonders häufig:

  • Ängstlich gebundene Menschen schlucken viel aus Verlustangst → später Vorwürfe.
  • Vermeidend gebundene Menschen gehen emotional auf Distanz → Partner fühlt sich dauerhaft enttäuscht.

Wenn Nähe früher mit Unsicherheit gekoppelt war, wird heutige Enttäuschung schnell zu alter Ohnmacht. Dann reagierst du nicht nur auf den Partner – sondern auf Geschichte.

Warum Resentments so gefährlich sind

Konflikt ist gesund. Resentment ist verdeckter Konflikt.

Paare scheitern selten an Streit. Sie scheitern an nicht geführtem Streit.

Der Moment, in dem Resentment chronisch wird, kippt das System von:

„Wir gegen das Problem“ zu „Ich gegen dich“.

Wie löst man Resentments auf?

  1. Radikale Ehrlichkeit mit dir selbst. Wo habe ich mich nicht gezeigt? Wo habe ich nicht gesprochen?
  2. Primärgefühl identifizieren. Nicht „Ich bin wütend“ sondern: „Ich war verletzt.“
  3. Grenzen klären. Nicht als Drohung. Sondern als Selbstdefinition.
  4. Früh ansprechen – nicht sammeln. Groll entsteht im Aufschub.
  5. Eigene Verantwortung zurückholen. Du bist nicht machtlos. Du warst angepasst.

Konfrontative Wahrheit

Viele Menschen sagen: „Ich habe so viel für die Beziehung getan.“

Was sie oft meinen ist: „Ich habe mich selbst zurückgestellt – und gehofft, dass du es merkst.“

Das erzeugt Schuldkonten. Aber Liebe ist kein Buchhaltungssystem.