Willkommen in Beziehungen: Der eine spricht Deutsch, der andere spricht Kindheit.

Manchmal sagt dein Partner oder deine Partnerin etwas ganz Alltägliches – und trotzdem landet es beim anderen wie ein kleiner emotionaler Schlag.

Wir hören mit unseren Erfahrungen.

Nicht, weil der andere absichtlich falsch versteht. Sondern weil wir Menschen nicht nur mit den Ohren hören. Wir hören mit unseren Erfahrungen. Was ich meine:

„Ich bin müde.“

Gemeint ist: Mein Akku ist leer.

Gehört wird: Ich habe keine Lust auf dich.

Und hier entstehen schnell viele Missverständnisse in Beziehungen.

Wir reagieren nicht nur auf das, was gesagt wurde. Wir reagieren auf die Bedeutung, die wir den Worten geben. Wie wir Ereignisse interpretieren.

Bemerkungen können berühren

Eine Bemerkung über den heutigen Tag kann plötzlich eine alte Geschichte berühren:
Die Angst, nicht wichtig zu sein.
Die Sorge, nicht zu genügen.
Die Erfahrung, abgelehnt oder nicht gesehen worden zu sein.

Dann streitet nicht mehr nur der Erwachsene mit seinem Partner oder seiner Partnerin.

Schutz gesucht

Dann meldet sich manchmal ein alter Schutzmechanismus zu Wort.

Der eine zieht sich zurück, um sich zu schützen.
Die andere sucht mehr Nähe, um Sicherheit zu bekommen.
Der eine wird still.
Die andere wird lauter.

Und beide wollen im Grunde oft dasselbe:
Gesehen werden. Verstanden werden. Sicher sein.

Das Problem ist nicht immer die Liebe.

Manchmal ist es die Übersetzung.

Denn Menschen streiten oft nicht über das, was gerade passiert.

Sie streiten über das, was ihr Inneres daraus macht oder in sich trägt. Manchmal sind das Wunden.

Oder etwas überspitzt gesagt:

Willkommen in Beziehungen. Der eine spricht Deutsch. Der andere spricht manchmal noch die Sprache seiner Vergangenheit.

Der Weg zu einer besseren Beziehung beginnt deshalb nicht nur damit, anders zu kommunizieren.

Er beginnt damit, sich selbst besser zu verstehen.

Termin machst du, sobald Zeit!