Die meisten glauben, sie bezahlen einen Coach dafür, dass er ihre Probleme löst. Tatsächlich bezahlen sie ihn dafür, dass sie lernen, ihre Probleme irgendwann ohne ihn lösen zu können. Gute Begleitung macht nicht abhängig. Sie macht handlungsfähig. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Ratschlägen und echter Entwicklung.
1. Das Problem des Klienten
Das ist das, womit der Mensch kommt.
“Ich streite ständig mit meinem Partner.”
“Ich fühle mich leer.”
“Ich möchte selbstbewusster werden.”
Das ist fast nie das eigentliche Problem. Es ist das Symptom.
2. Das Entwicklungsproblem
Hier beginnt Coaching.
Der Konflikt mit dem Partner ist selten das Problem.
Vielleicht ist das eigentliche Problem:
- mangelnder Selbstkontakt
- Angst vor Ablehnung
- Anpassung
- fehlende Grenzen
- ungelöste Scham
- fehlende Selbstregulation
- Loyalität zur Herkunftsfamilie
Das ist die Ebene, auf der ich arbeite.
Ich behandel nicht den Streit.
Ich entwickel die Person, die streitet.
Das ist ein riesiger Unterschied.
3. Das Prozessproblem
Hier ist etwas sehr interessant:
Der Klient möchte eine schnelle Lösung.
Aber gleichzeitig hält er nicht selten Informationen zurück.
Nicht unbedingt bewusst.
Sein Nervensystem schützt ihn. Nicht jeden aber nicht selten ist das so.
Es erzählt nur so viel, wie es gerade aushält. Das ist eine Kapazitätsfrage.
Viele Menschen kommen ins Coaching und erzählen ihre Geschichte.
Aber nicht ihre Wahrheit.
Das ist kein Vorwurf.
Das ist Selbstschutz.
Menschen erzählen oft zunächst die Version, mit der sie selbst leben können.
Nicht die Version, die tatsächlich weh tut.
Deshalb dauert Vertrauen.
Und Veränderung.
4. Mein Problem als Coach
Das finde ich fast das Spannendste.
“Ich lasse mich manchmal stressen, weil manche Klienten signalisieren, dass ich ihre Probleme lösen muss.”
Das ist vermutlich der wichtigste Entwicklungsschritt.
Denn genau das musst ich nicht.
Ein Coach trägt keine Verantwortung für die Lösung.
Er trägt Verantwortung für den Prozess.
Das genau verändert alles.
Meine Aufgabe ist nicht:
“Ich löse dein Problem.”
Sondern:
“Ich sorge dafür, dass wir das Problem möglichst klar erkennen.”
Die Lösung entsteht häufig fast zwangsläufig, wenn das eigentliche Problem sichtbar wird.
Warum Menschen oft nicht tief gehen
“Ich habe manchmal den Eindruck, sie sind noch gar nicht ehrlich.”
An dem Satz bleibe ich hängen. Ich will ihn leicht verändern.
Nicht:
Sie sind unehrlich (klingt nicht richtig).
Sondern:
Sie sind sich selbst noch nicht vollständig zugänglich. Das kenne ich und das kennt wahrscheinlich jede Person.
Das ist etwas völlig anderes.
Die meisten Menschen lügen nicht. Es meinen Klientinnen und Klienten zu unterstellen, wäre grob fahrlässig.
Sie wissen es tatsächlich nicht besser. In meinem eigenen Leben, weiß ich es manchmal selber nicht besser. Dafür braucht man einen Sparring Partner. Oder eine Partnerin. Jedenfalls jemanden, den man mit dieser Thematik anspielen kann.
Sie haben zwanzig oder vierzig Jahre in Anpassung gelebt. Meine Klienten und ich.
Dann sagen sie:
“Eigentlich ist alles gut.”
Und während sie das sagen und ich vor Ihnen sitze, oder vor meinem Monitor,
- ist ihre Schulter hochgezogen,
- ihr Atem flach,
- ihre Augen werden traurig,
- ihre Beziehung macht sie einsam,
- sie schlafen schlecht,
- sie funktionieren.
Sie glauben wirklich, dass das normal ist. Und sie fallen aus allen Wolken, wenn ich Ihnen sage und ihnen zeigen, dass es das nicht ist: normal.
Der wichtigste Satz im Coaching
Ich glaube dem Menschen. Aber ich glaube nicht automatisch seiner ersten Erklärung.
Das ist weder misstrauisch noch überheblich.
Es ist entwicklungspsychologisch sinnvoll.
Menschen erklären ihr Leben immer mit dem Bewusstsein, das sie gerade haben.
Und genau dieses Bewusstsein entwickelt sich im Coaching.
Mein Gespür
Ich habe den Eindruck, dass mein Gespür ziemlich gut ist. Das sage ich nicht als Fleischwaren-Verkäufer, Taxifahrerin oder deine Mutter. Ich sage das als Coach. Als Beziehungscoach.
Ich nehme wahr:
“Da stimmt etwas nicht.”
Das ist oft eine wichtige Information.
Aber daraus darf nicht werden:
“Ich weiß, was mit dir los ist.”
Zwischen diesen beiden Sätzen liegt professionelle Demut. Und ich liebe Demut.
Der bessere innere Satz wäre:
“Ich habe eine Hypothese. Jetzt erforsche ich sie gemeinsam mit meinem Klienten.”
Nicht diagnostizieren.
Erkunden.
Nicht überzeugen.
Neugierig bleiben.
Das ist, was ich mit meinen Klienten unter anderem erarbeite: auf sich neugierig werden.
Die Fähigkeiten meiner Klienten
Menschen kommen wegen ihrer Probleme. Wir arbeiten aber nicht an ihren Problemen. Wir arbeiten an den Fähigkeiten, die ihnen bisher gefehlt haben, um mit ihrem Leben anders in Beziehung zu treten. Wenn diese Fähigkeiten wachsen, verlieren viele Probleme ihre Funktion oder ihre Macht.
Das ist für mich der Kern von entwicklungsorientiertem, traumasensiblem Coaching: Ich reparierst keine Menschen. Ich schaffe einen Raum, in dem sie sich selbst klarer wahrnehmen, mehr Verantwortung übernehmen und neue innere Kompetenzen entwickeln können. Und genau deshalb löst der Klient letztlich sein Problem selbst – nicht allein, sondern in einer Beziehung, die Entwicklung ermöglicht.
Orientierung oder Erstgespräch hier:
