Partnerschaft & Individualität

Unterstützung vs. Übergriff. Nähe vs. Verschmelzung. Loyalität vs. Selbstverlust.

Von M. A. Holtz, Beziehungscoach

Klärungsgespräch (nur für ernsthaft interessierte – Termine

Was KlientInnen sagen

1. Wo beginnt man, sich selbst zu verlassen?

Sich selbst zu verlieren passiert selten spektakulär. Es passiert subtil.

Typische Marker:

  • Du sagst „Ist schon okay“, obwohl es nicht okay ist.
  • Du regulierst zuerst die Emotionen deines Partners – und vergisst deine eigenen.
  • Deine Bedürfnisse tauchen nur noch als Störung im System auf.
  • Du passt deine Werte an, um Harmonie zu sichern.
  • Du fühlst dich verantwortlich für die Entwicklung des anderen.

Probe, Preise & Kündigung

Das Entscheidende:

Du merkst es oft erst an Erschöpfung oder latentem Groll.

(Resentment ist fast immer ein Indikator für Selbstverrat.)

2. Unterstützung oder Kontrolle?

Das, was du beschreibst – „dem anderen im Weg stehen“ – hat häufig eine unbewusste Dynamik:

Wir versuchen beim Partner das zu regulieren, was wir bei uns selbst nicht gelöst haben.

Beispiele:

  • Du wünschst dir Mut → Du drängst den Partner zu mehr Risiko.
  • Du wünschst dir Sicherheit → Du bremst seine Expansion.
  • Du wünschst dir emotionale Reife → Du therapierst ihn subtil.
  • Du hast Angst vor Verlassenwerden → Du begrenzt seine Freiheit.

Das ist keine Bosheit.

Das ist Projektion + Bindungsangst + Kontrollimpuls.

Und hier wird es unbequem:

Man kann gleichzeitig „unterstützend“ wirken – und faktisch die Autonomie des anderen einschränken.

3. Freiheit in Partnerschaft ist nicht Symbiose

In reifen Beziehungen geht es nicht um Verschmelzung, sondern um Differenzierung.

Ein Begriff, der u.a. durch Murray Bowen geprägt wurde.

Differenzierung bedeutet:

  • Ich bleibe emotional verbunden.
  • Und ich bleibe gleichzeitig eigenständig.
  • Ich halte Spannung aus, ohne Kontrolle auszuüben.
  • Ich erlaube dir, anders zu sein – auch wenn es mich triggert.

Das ist hohe Nervensystem-Kompetenz.

4. Woran erkennst du, dass du dem anderen im Weg stehst?

Radikale Fragen:

  • Unterstütze ich wirklich dich – oder mein Bild von dir?
  • Würde ich dich auch lieben, wenn du dich in eine Richtung entwickelst, die mir Angst macht?
  • Halte ich deine Freiheit aus – auch wenn sie Unsicherheit in mir auslöst?
  • Ist meine „Sorge“ vielleicht ein Versuch, Kontrolle zu behalten?

Und die härteste Frage:

Wenn ich ehrlich bin – will ich, dass du frei bist? Oder will ich, dass du sicher bleibst – für mich?

5. Bei sich bleiben heißt:

  • Eigene Emotionen selbst regulieren.
  • Nicht unbewusst den Partner als Co-Regulator missbrauchen.
  • Den eigenen Entwicklungsschmerz nicht outsourcen.
  • Verantwortung für Trigger übernehmen.

Das ist kein kalter Individualismus.

Es ist reife Bindungsfähigkeit.