Selbstvernachlässigung

Viele Menschen ignorieren sich nicht unbedingt bewusst. Sie organisieren ihr Leben so, dass sie sich möglichst wenig mit sich selbst beschäftigen müssen.

Sie funktionieren. Arbeiten. Kümmern sich um andere. Konsumieren Wissen. Lesen Bücher. Hören Podcasts. Machen vielleicht sogar Sport. Sie wissen erstaunlich viel darüber, wie man ein gutes Leben führen könnte.

Und trotzdem verändert sich wenig.

„Der interessante Punkt ist: Selbstvernachlässigung sieht häufig überhaupt nicht nach Selbstvernachlässigung aus.“

MA Holtz

Sie kann aussehen wie:

  • „Ich habe gerade einfach keine Zeit.“
  • „Wenn dieses Projekt vorbei ist …“
  • „So schlimm ist es ja nicht.“
  • „Andere haben es viel schwerer.“
  • „Ich funktioniere doch.“
  • „Ich brauche keinen Coach.“

Und manchmal steckt dahinter etwas sehr Menschliches:

Solange ich mich nicht wirklich mit mir beschäftige, muss ich auch nichts verändern.

Denn echte Selbstentwicklung ist nicht nur angenehm. Wenn ich anfange, mich selbst ernst zu nehmen, stoße ich irgendwann auf Entscheidungen.

Vielleicht muss ich eine Grenze setzen.
Vielleicht eine Beziehung verändern.
Vielleicht jemanden enttäuschen.
Vielleicht aufhören, ständig verfügbar zu sein.
Vielleicht anerkennen, dass ich eigentlich etwas anderes will.
Vielleicht Verantwortung für mein eigenes Leben übernehmen.

Und genau da wird es unbequem. Dieses Wort hatte ich treffend an dieser Stelle.

„Ignorieren seiner selbst, ist das Ignorieren seiner Entwicklung, seiner eigenen Potenziale.“

Es geht nicht darum, dass Menschen „zu wenig aus sich machen“. Das klingt schnell nach Selbstoptimierung.

Es geht eher darum, dass Menschen den Kontakt zu dem verlieren, was in ihnen tatsächlich lebendig ist – Bedürfnisse, Grenzen, Gefühle, Wünsche, Fähigkeiten, Möglichkeiten und auch die Verantwortung, daraus etwas entstehen zu lassen.

Und dann passiert etwas Paradoxes:

Der Mensch schützt sich vor Veränderung – und bezahlt dafür mit seinem unveränderten Leben.

Du bezahlst bereits. Jeden Tag. Die Frage ist nur, wofür.

Denn „Nicht-Entwicklung“ ist nicht kostenlos.

Sie kostet möglicherweise Lebenszeit, Energie, Selbstachtung, Beziehungen, Möglichkeiten und irgendwann das Gefühl, das eigene Leben tatsächlich selbst zu gestalten oder eben nicht.

Ich mache dich nicht zu einer besseren Version deiner selbst, sondern „Ich begleite dich dabei, wieder in einen Kontakt mit dir selbst zu kommen – damit du dein Leben nicht nur bewältigst, sondern tatsächlich gestaltest.“