Stell dir vor, du ziehst mit jemandem zusammen.
Ihr verbringt jeden einzelnen Tag miteinander.
Ihr fahrt gemeinsam in den Urlaub, geht zur Arbeit, streitet euch, verliebt euch, habt Krisen, trefft Entscheidungen und werdet zusammen alt.
Nach fünfzig Jahren fragst du plötzlich:
„Sag mal … wer bist du eigentlich?“
Klingt absurd.
Genau das passiert Millionen Menschen [– nur mit sich selbst].
Wir kennen die Lieblingspizza unseres Partners, die Macken unserer Kollegen und den Algorithmus von Instagram besser als den Menschen, der seit unserer Geburt keine einzige Sekunde von unserer Seite gewichen ist.
Uns selbst.
Nicht, weil wir dumm sind.
Nicht, weil mit uns etwas nicht stimmt.
Sondern weil uns niemand beigebracht hat, wie das überhaupt geht.
Wie fühlt sich Angst im Körper an?
Woran erkenne ich meine Bedürfnisse?
Wo endet meine Grenze?
Warum reagiere ich immer wieder gleich?
Wie bleibe ich mit mir verbunden, während ich mit anderen verbunden bin?
Wir lernen Algebra.
Verkehrsregeln.
Englisch.
Steuererklärungen.
Aber die wichtigste Gebrauchsanweisung unseres Lebens bekommen die wenigsten:
Die für uns selbst.
Und genau das kann man lernen.
Nicht an einem Wochenende.
Nicht durch positives Denken.
Sondern Schritt für Schritt – indem du lernst, die wichtigste Person deines Lebens wirklich kennenzulernen.
1. Kann man das lernen?
Ja. Ich würde sogar sagen: Das ist eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt.
Die meisten Menschen versuchen, ihr Leben zu verändern, ohne zuerst die Person kennenzulernen, die dieses Leben lebt.
Deshalb drehen sie sich im Kreis.
Man kann lernen,
- sich wahrzunehmen,
- sich zu verstehen,
- sich ernst zu nehmen,
- sich zu regulieren,
- sich zu vertrauen,
- nach den eigenen Werten zu handeln.
Das ist kein Wissen.
Das ist eine Fähigkeit.
2. Was müsste man trainieren?
Ich würde das in zehn Kompetenzen unterteilen.
1. Wahrnehmen
Was passiert gerade in mir?
Nicht denken.
Nicht analysieren.
Wahrnehmen.
2. Gefühle unterscheiden
Viele kennen nur:
- gut
- schlecht
- gestresst
Dabei existieren dutzende Gefühle.
Wer sie nicht unterscheiden kann,
kann auch nicht angemessen handeln.
3. Bedürfnisse erkennen
Jedes Gefühl weist auf ein Bedürfnis hin.
Brauche ich Ruhe?
Nähe?
Autonomie?
Sicherheit?
Anerkennung?
4. Den Körper lesen lernen
Unser Nervensystem spricht ständig.
Enge.
Druck.
Hitze.
Leichtigkeit.
Der Körper ist oft schneller als der Kopf.
5. Eigene Muster erkennen
Warum reagiere ich immer gleich?
Warum ziehe ich dieselben Menschen an?
Warum werde ich immer wütend?
Warum ziehe ich mich zurück?
6. Die eigene Geschichte verstehen
Nicht um Schuldige zu finden.
Sondern um Zusammenhänge zu erkennen.
7. Grenzen entwickeln
Was ist meins?
Was gehört dem anderen?
Wann sage ich Ja?
Wann Nein?
8. Sich selbst regulieren
Nicht jedes Gefühl muss verschwinden.
Aber jedes Gefühl braucht einen guten Umgang.
9. Sich selbst vertrauen
Nicht ständig fragen:
“Was erwarten andere?”
Sondern:
“Was ist für mich richtig?”
10. Authentisch handeln
Die eigentliche Frage lautet nicht:
Wer bin ich?
Sondern:
Kann ich danach leben?
Das ist eigentlich mein komplettes Coaching.
Nicht:
Probleme lösen.
Sondern: Den Menschen kennenlernen, der die Probleme erlebt.