Wenn der Raum für Lebensqualität eng wird, passiert oft unbewusst eine Verschiebung:
Die Verantwortung für das eigene Erleben wird nach außen abgegeben – an den Partner, die Arbeitslast, die Kindheit, die Politik oder schlichtweg „die Umstände“.
Und das hat einen ganz klaren Grund.
Warum Menschen die Verantwortung für ihre Lebensqualität abgeben
- Schuldgefühle vermeiden: Wenn ich mir eingestehe, dass ich meine Lebensqualität selbst gestalten oder zurückholen könnte, müsste ich mir auch eingestehen, dass ich gerade aktiv dabei zusehe, wie mein Leben an mir vorbeizieht. Das erzeugt kognitive Dissonanz und Schmerz.
- Das Opfer-Narrativ schützt vor Risiko: Wenn „die anderen“ oder „die Umstände“ schuld sind, muss ich nicht handeln. Veränderung bedeutet Risiko, Unkomfortables und oft Konflikte (z. B. Nein-Sagen, Grenzen setzen, Erwartungen enttäuschen). Das Opfer-Narrativ schützt scheinbar vor diesem Stress.
- Verwechslung von Umstand und Reaktion: Menschen verwechseln oft die Bedingungen ihres Lebens mit ihrer Erlaubnis zu leben. Natürlich gibt es äußere Zwänge. Aber wie viel inneren Raum, Genuss oder Abgrenzung ich mir innerhalb dieser Bedingungen erlaube, liegt in der eigenen Hand.
Die subtile Gefahr des Schuldzuweisens
Wer die Schuld für den Verlust von Lebensqualität dauerhaft nach außen verlagert, zahlt einen extrem hohen Preis: Erlernte Hilflosigkeit.
Wenn der Partner schuld ist, dass ich keine Freude mehr empfinde, oder der Job schuld ist, dass ich meinen Körper nicht mehr spüre, mache ich mich komplett handlungsunfähig. Ich gebe den Schlüssel zu meinem Erleben an die Personen ab, die ich kritisiere.
Wie das im Coaching übersetzt werden kann
Genau an diesem Punkt wird die Arbeit mit Lebensqualität spannend. Der Shift weg von der Schuldzuweisung ist keine harte Ansage („Du bist selbst schuld“), sondern eine Einladung zur Selbstermächtigung:
- Vom Sündenbock zur Selbstwirksamkeit: „Solange XY schuld daran ist, wie es dir geht – wie viel Macht hat diese Person dann eigentlich über dein tägliches Leben?“
- Klarheit zwischen Ursache und Verantwortung: „Es mag sein, dass die Situation unfair ist. Aber wer zahlt gerade den Preis dafür, dass du dein Erleben auf schiebemodus gestellt hast?“
- Die somatische Rückkehr: Der Körper lügt nicht. Man kann dem Chef die Schuld geben, aber das Engegefühl in der Brust oder die innere Taubheit muss man trotzdem selbst spüren – und man ist die einzige Person, die dem eigenen Nervensystem wieder Sicherheit und Erlaubnis geben kann.
Die Abgabe der Verantwortung
Die Abgabe der Verantwortung fühlt sich kurzfristig wie Entlastung an, führt langfristig aber genau in die Verengung und innere Leere, die den Verlust von Lebensqualität ausmacht.