Manchmal erklärt das Leben Dinge sehr direkt. Als Coach helfe ich Menschen seit Jahren dabei, wieder einen besseren Kontakt zu sich selbst aufzubauen – zu ihren Gefühlen, Grenzen und echten Bedürfnissen. Dann hatte ich plötzlich selbst einen gutartigen Tumor im Kopf. Eine Erfahrung, die mein Verständnis von Selbstverantwortung, Verletzlichkeit und wirksamer Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig verändert hat.
Der Unterschied zwischen Verstehen und Erleben
Viele Menschen, die den Weg ins Coaching zu mir finden, kennen das: Sie sind extrem stark im Funktionieren. Sie leisten, organisieren, analysieren und halten aus. Wenn der Druck steigt, legen sie meistens noch eine Schippe drauf.
Das Problem dabei: Funktionieren klappt oft über Jahre hinweg hervorragend – bis es irgendwann gar nicht mehr geht.
Eine Kopf-OP ist ein kompromissloses Anschauungsobjekt dafür. Sie zeigt dir unmissverständlich:
- Du kannst deinen Körper nicht durch Denken zur schnelleren Regeneration zwingen.
- Du kannst nicht per Beschluss wieder belastbar sein.
- Du kannst dir nicht einreden, keine Hilfe zu brauchen, wenn du sie gerade brauchst.
Plötzlich wird dir klar: Das, was gerade möglich ist, ist die Realität – nicht das, was du gerne leisten würdest. Echter Selbstkontakt beginnt genau an diesem Punkt der Akzeptanz.
Selbstverantwortung heißt nicht, alles alleine zu schaffen
In unserer Leistungsgesellschaft wird Selbstverantwortung häufig falsch verstanden. Viele verwechseln sie mit:
- „Ich muss das ganz alleine hinkriegen.“
- „Ich darf niemandem zur Last fallen.“
- „Ich muss immer stark bleiben.“
Doch das ist keine Selbstverantwortung – das ist oft nur sehr gut trainiertes Alleinemachen und emotionale Selbstüberforderung.
Wahre Selbstverantwortung zeigt sich auf eine andere Weise. Sie bedeutet auch:
- Zu bemerken, wenn man Hilfe braucht – und sie sich aktiv zu holen.
- Zu spüren, wenn etwas zu viel wird – und klar Nein zu sagen.
- Die eigenen körperlichen und mentalen Grenzen zu akzeptieren.
- Sich unterstützen zu lassen, ohne dabei die eigene Selbstständigkeit aufzugeben.
Verletzlichkeit ist kein theoretisches Konzept
Über Verletzlichkeit, Nervensystem-Regulation und Bindungsmuster gibt es zahllose Bücher und Podcasts. Man kann viel darüber wissen.
Aber das reine Verstehen schützt uns nicht davor, uns selbst zu übergehen. Wissen ist nicht dasselbe wie Wahrnehmen – und Wahrnehmen ist nicht dasselbe wie Handeln.
Echter Selbstkontakt findet nicht nur im Kopf statt. Er zeigt sich im Körper:
- Wie fühlt sich ein ehrliches Ja oder Nein körperlich an?
- Wo entsteht Anspannung, wenn eine Grenze überschritten wird?
- Wann schlägt gesundes Engagement in reine Erschöpfung um?
Erst wenn wir lernen, diese Körpersignale im Alltag wieder rechtzeitig wahrzunehmen, können wir Entscheidungen treffen, die wirklich zu uns passen.
Warum Selbstoptimierung oft der falsche Weg ist
Eine schwere Erkrankung oder eine Lebenskrise interessiert sich nicht für persönliche Optimierungsprojekte. Sie zeigt uns, dass wir uns nicht ständig in eine „bessere Version“ unserer selbst verwandeln müssen.
Im Coaching geht es für mich deshalb nicht darum, wie du dich endlich „in den Griff bekommst“ oder perfekt funktionierst. Es geht um die Frage:
Wie kannst du so mit dir selbst in Kontakt sein, dass du dich nicht ständig gegen dich selbst organisieren musst?
Wie ich dich im Coaching begleite
Meine eigene Erfahrung hat mich nicht zu einem magischen Über-Coach gemacht. Aber sie hat meinen Blick geschärft für das, was im Leben und in der Persönlichkeitsentwicklung wirklich zählt: Klarheit, Ehrlichkeit und tragfähige Beziehungen – vor allem zu dir selbst.
In unserer Zusammenarbeit schauen wir gemeinsam hin:
- Muster erkennen: Wo verwechselst du Selbstverantwortung mit Selbstüberforderung?
- Grenzen setzen: Wo übergehst du deine eigenen Bedürfnisse, um zu funktionieren?
- Realität annehmen: Was kannst du aktiv beeinflussen – und was musst du abgeben?
- Klarheit gewinnen: Was möchtest du mit deinem Leben anfangen – nicht erst irgendwann, sondern jetzt?
Bereit für ehrlichen Selbstkontakt?
Coaching bedeutet für mich nicht, dich „richtig“ zu machen. Es bedeutet, dich dabei zu unterstützen, deine eigene Wahrnehmung, deine Grenzen und deine Verantwortung wieder ernst zu nehmen.
Möchtest du aufhören, dich selbst zu übergehen und wieder in echten Kontakt mit dir kommen?
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