Der Kopf ist nicht das Problem

Ein sehr hohes Denk- und Sprechtempo kann ein Zeichen dafür sein, dass jemand überwiegend aus dem Kopf heraus lebt.

Menschen, die stark in Angst, Stress oder alten Mustern sind, pendeln häufig zwischen Vergangenheit (“Was damals passiert ist”) und Zukunft (“Was passieren könnte”). Die Gegenwart gerät in den Hintergrund.

Selbstkontakt

Selbstkontakt entsteht nicht allein durch Denken, sondern durch den Kontakt zum Körper: Atmung, Muskeltonus, Gefühle, Bedürfnisse und Sinneswahrnehmung.

Nur in der Gegenwart

Veränderung ist nur in der Gegenwart möglich. Erinnern können wir uns an die Vergangenheit und planen können wir die Zukunft – handeln können wir nur jetzt.

Präsent sein

Es gibt Menschen, die schnell sprechen und trotzdem sehr präsent sind. Ebenso gibt es Menschen, die langsam sprechen und innerlich völlig abgespalten oder in Gedanken versunken sind.

Das Tempo ist deshalb kein Beweis, sondern ein möglicher Hinweis.

Im Hier und Jetzt

Ich würde eher sagen:

Ein Mensch ist oft dann nicht ganz im Hier und Jetzt, wenn seine Aufmerksamkeit nicht mehr bei seiner unmittelbaren Erfahrung liegt, sondern überwiegend bei Gedanken über gestern oder morgen. Ein mögliches Zeichen dafür kann ein sehr hohes Denk- oder Sprechtempo sein. Sicher erkennen lässt es sich aber daran, dass der Kontakt zum eigenen Körper, zu den Gefühlen und zur aktuellen Wahrnehmung fehlt.

“Geistig können wir in der Vergangenheit oder Zukunft sein. Körperlich können wir nur in der Gegenwart sein.”

Der Verstand kann durch Zeit reisen. Der Körper nicht. Er kennt nur diesen einen Moment. Wer wieder spürt, ist wieder in der Gegenwart.

M.A. Holtz, Beziehungscoach

Selbstkontakt zeigt sich daran, dass ein Mensch seinen Körper, seine Gefühle und seine Bedürfnisse wahrnehmen kann. Wer nur denkt, ist noch nicht unbedingt bei sich. Erst wenn Denken und Fühlen wieder zusammenfinden, entsteht wirkliche Präsenz.

Das entspricht auch der neurobiologischen und traumatherapeutischen Sicht, etwa aus NARM oder der Somatic Experiencing-Arbeit: Es geht nicht darum, den Kopf abzuwerten, sondern Kognition, Emotion und Körperwahrnehmung wieder zu integrieren.

Unmittelbare Erfahrung

Der Kopf ist nicht das Problem – er wird erst dann zum Problem, wenn er den Kontakt zur unmittelbaren Erfahrung ersetzt.