Du kommst vielleicht mit einem konkreten Problem. Ich schaue auf das, was dieses Problem überhaupt möglich macht.
„Ich kann keine Nähe zulassen.“
„Ich kann nicht Nein sagen.“
„Ich gerate immer wieder an die falschen Menschen.“
„Ich bin ständig für alle anderen da und habe keine Ahnung, was ich eigentlich selbst will.“
„Ich weiß genau, was ich tun müsste – und mache es trotzdem nicht.“
Das sind wichtige Informationen. Aber sie sind noch nicht die ganze Geschichte.
Denn ein Problem erzählt dir zunächst einmal, was passiert.
Meine Arbeit beginnt unter anderem mit der Frage:
Warum passiert es immer wieder so – und was passiert eigentlich in dir, kurz bevor es passiert?
Und dafür brauche ich etwas, das in unserer schnellen Welt erstaunlich unpopulär geworden ist:
Zeit.
Dein Problem ist nicht automatisch die Ursache
Wenn du zu mir kommst und sagst: „Ich habe Bindungsangst“, könnte ich jetzt wunderbar nicken, einen klugen Satz dazu sagen und dir erklären, warum Bindungsangst entsteht.
Klingt professionell.
Ist aber möglicherweise Quatsch.
Denn vielleicht hast du gar keine Angst vor Nähe.
Vielleicht hast du Angst davor, dich in einer Beziehung selbst zu verlieren.
Oder davor, abgelehnt zu werden.
Oder davor, abhängig zu sein.
Oder du hast nie richtig gelernt wahrzunehmen, was du eigentlich brauchst.
Oder du kannst Nähe durchaus zulassen – solange du die Kontrolle behältst.
Das Ergebnis kann von außen ähnlich aussehen.
Die innere Geschichte dahinter kann völlig unterschiedlich sein.
Deshalb interessiert mich nicht nur, was dein Problem ist.
Mich interessiert, wie du dich selbst organisierst.
Ich sammle Informationen, bevor ich vorschnell eine Erklärung liefere
Menschen erzählen mir nicht nur mit ihren Worten etwas über sich.
Auch die Art, wie jemand erzählt, liefert Informationen.
Wie reagierst du auf Nähe?
Was passiert bei Kritik?
Was passiert bei einem Nein?
Kannst du deine Bedürfnisse benennen?
Was machst du, wenn jemand enttäuscht von dir ist?
Was passiert, wenn du wütend wirst?
Kannst du Traurigkeit aushalten?
Kannst du einen Konflikt führen, ohne dich selbst oder den anderen sofort infrage zu stellen?
Was passiert, wenn du nicht weißt, was richtig ist?
Und was machst du, wenn du eigentlich etwas möchtest, aber Angst vor den Konsequenzen hast?
All das gehört für mich zum Bild.
Denn manchmal sagt jemand:
„Ich kann meine Grenzen nicht setzen.“
Und nach einiger Zeit wird deutlich:
„Ich weiß eigentlich gar nicht, wo meine Grenze ist.“
Das ist ein ziemlich wichtiger Unterschied.
Was ich deshalb anders betrachte
Ich schaue nicht nur auf Verhalten.
Ich schaue auf das Zusammenspiel von Denken, Fühlen, Körper, Bedürfnissen, Selbstwert, Beziehungserfahrungen und deinen bisherigen Strategien.
Zum Beispiel:
Selbstkontakt
Spürst du überhaupt, was gerade in dir passiert?
Oder weißt du hauptsächlich, was du darüber denkst?
Man kann seine Gefühle nämlich hervorragend analysieren, ohne ihnen auch nur einen Zentimeter näherzukommen. Das Gehirn ist schließlich ein ausgesprochen fleißiger Mitarbeiter.
Bedürfnisse
Weißt du, was du möchtest?
Oder orientierst du dich automatisch daran, was andere brauchen, erwarten oder gut finden?
Selbstwert
Erlebst du dich als wertvoll, auch wenn du nichts leistest, niemanden rettest und gerade nicht besonders praktisch für andere bist?
Oder musst du dir deinen Wert immer wieder verdienen?
Emotionen
Kannst du Angst, Scham, Wut, Trauer oder Enttäuschung wahrnehmen und regulieren?
Oder musst du sie möglichst schnell wegmachen, erklären, kontrollieren oder unter den Teppich kehren?
Der Teppich hat übrigens erstaunlich viel Platz. Bis er irgendwann hochsteht.
Muster
Was passiert automatisch?
Anpassen.
Kontrollieren.
Rückzug.
Angreifen.
Funktionieren.
Übernehmen.
Beschwichtigen.
Perfektionieren.
Solche Strategien sind nicht einfach „schlechte Angewohnheiten“.
Oft waren sie irgendwann sinnvoll.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:
„Was stimmt mit mir nicht?“
Sondern:
„Wovor schützt mich dieses Verhalten – und brauche ich diesen Schutz heute noch?“
Deshalb dauert Verstehen manchmal länger als eine Woche
Ich möchte nicht nach der ersten Sitzung so tun, als hätte ich dich vollständig verstanden.
Das wäre ziemlich vermessen.
Du bist schließlich kein Ikea-Regal mit Aufbauanleitung und sechs eindeutig beschrifteten Schrauben.
Menschen sind widersprüchlich.
Wir können gleichzeitig Nähe wollen und Angst davor haben.
Wir können wissen, was gut für uns wäre, und trotzdem das Gegenteil tun.
Wir können andere hervorragend verstehen und uns selbst kaum wahrnehmen.
Wir können unglaublich reflektiert sein und trotzdem in alten Mustern feststecken.
Deshalb entsteht ein wirklich brauchbares Bild oft erst über mehrere Gespräche und durch das, was zwischen den Sitzungen passiert.
Was verändert sich?
Was bleibt gleich?
Was taucht plötzlich auf?
Was funktioniert nur im Kopf und noch nicht im echten Leben?
Wo übernimmst du Verantwortung?
Wo weichst du aus?
Wo wirst du beweglicher?
Und wo hältst du weiterhin an etwas fest, obwohl du längst weißt, dass es dir nicht mehr dient?
Diese Informationen sind wertvoll.
Denn sie zeigen nicht nur, was du über dich denkst.
Sie zeigen, wie du tatsächlich mit dir und deinem Leben umgehst.
Von der Erkenntnis zur Veränderung
Viele Menschen wissen bereits erstaunlich viel über sich.
Sie haben Bücher gelesen.
Podcasts gehört.
Videos geschaut.
Therapie gemacht.
Selbstreflexion betrieben.
Sie wissen vielleicht sogar ziemlich genau, warum sie etwas tun.
Und trotzdem verändert sich ihr Leben nicht automatisch.
Warum?
Weil Verstehen allein noch keine Veränderung ist.
Du kannst wissen, dass du Konflikten ausweichst – und weiterhin ausweichen.
Du kannst wissen, dass du dich zu stark anpasst – und weiterhin Ja sagen.
Du kannst wissen, dass du Angst vor Ablehnung hast – und weiterhin versuchen, es allen recht zu machen.
Der entscheidende Schritt ist deshalb:
Was passiert mit dieser Erkenntnis in deinem echten Leben?
Kannst du etwas fühlen?
Etwas anders wahrnehmen?
Eine Grenze setzen?
Einen Konflikt aushalten?
Ein Bedürfnis aussprechen?
Eine Entscheidung treffen?
Bei dir bleiben, obwohl jemand anderes gerade nicht begeistert davon ist?
Dort beginnt Veränderung.
Ich suche nicht möglichst schnell nach einer Lösung
Meine Arbeit ist keine Reparaturwerkstatt für Menschen.
Du bist nicht kaputt.
Und ich möchte dir auch nicht möglichst schnell erklären, was du „falsch“ machst.
Ich möchte verstehen, wie du geworden bist, wie du heute bist – und welche Möglichkeiten dir heute zur Verfügung stehen.
Dazu gehört auch, deine bisherigen Strategien nicht zu verurteilen.
Denn vieles, was dich heute einschränkt, hat dich irgendwann geschützt.
Die Frage ist nur:
Musst du dein Leben heute noch nach Regeln führen, die für eine frühere Version von dir geschrieben wurden?
Was dir dieses genaue Hinschauen bringt
Je besser du dich verstehst, desto eher kannst du unterscheiden:
Was bin wirklich ich – und was ist ein altes Muster?
Was möchte ich – und was erwarte ich, dass ich wollen sollte?
Was fühle ich – und was denke ich nur über mein Gefühl?
Was brauche ich – und was versuche ich gerade von anderen zu bekommen?
Was ist meine Verantwortung – und was gehört eigentlich zum anderen?
Und irgendwann entsteht etwas Entscheidendes:
mehr innere Beweglichkeit.
Du musst dann nicht mehr auf jede Situation mit demselben alten Programm reagieren.
Du bekommst Wahlmöglichkeiten.
Du kannst Nähe zulassen, ohne dich aufzugeben.
Du kannst Grenzen setzen, ohne dich dafür zu verurteilen.
Du kannst Konflikte aushalten, ohne sofort wegzulaufen.
Du kannst Bedürfnisse wahrnehmen, ohne dich dafür zu schämen.
Und du kannst Entscheidungen treffen, die nicht nur funktionieren – sondern zu dir passen.
Vielleicht müssen wir deshalb nicht schneller werden. Sondern genauer.
Wenn du schon sehr viel über dich weißt, aber trotzdem immer wieder an denselben Punkten landest, fehlt dir möglicherweise nicht noch eine weitere Erkenntnis.
Vielleicht fehlt dir ein genauerer Blick darauf, wie alles miteinander zusammenhängt.
Genau dort setzt meine Arbeit an.
Nicht bei der schnellen Antwort auf die Frage:
„Was ist mein Problem?“
Sondern bei der wesentlich interessanteren Frage:
„Was passiert hier eigentlich wirklich – und wie kann ich lernen, anders damit umzugehen?“
Das braucht manchmal Zeit.
Aber dafür geht es nicht nur darum, etwas über dich zu wissen.
Es geht darum, dich selbst tatsächlich besser kennenzulernen – und dadurch anders leben zu können.