Marc Alexander Holtz — Unternehmertum befähigen // Strategie & Ausführung reflektieren // Denkweise & Inspiration stärken // Kommunikation & Zuhören verbessern // Geschäft & Resonanz erweitern // Misserfolg & Erfahrung nutzen // Veränderung trotz Sicherheit //

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Das Beste im Menschen

Ann will zur Welt kom­men, als ihre Mut­ter 19 km ent­fer­nt von Zuhause ihre Fre­undin in Wurzen besucht. Die Wehen ent­lassen Ann in einem August des 20 Jahrhun­derts aus dem Bauch ihrer Mut­ter. Sie kommt mit Sauer­stoff­man­gel, Herzfehler und eine Rechen­schwäche in diese Welt und in ein leis­tung­sori­en­tiertes Eltern­haus.  

Ihre Eltern steck­en sie in einen Montes­sori-Kinder­garten, mit dem Cre­do „Hilf mir, es selb­st zu tun“.

Weil die Eltern es wün­schen begin­nt sie Leis­tungss­port im Vere­in. Das, den Eltern zufolge, garantiert die Gesund­heit ihrer Tochter. Anns Sauer­stoff­man­gel ist der Eltern Sorge. Man will der Furcht vor möglichen Schwächen mit Leis­tung ent­geg­nen. Sie glauben daran, weil sie es vielle­icht nicht bess­er wis­sen.

Vor der Ein­schu­lung beherrscht Ann das Lesen und besucht, da ihre Eltern es sich wün­schen, Förder­pro­gramme, um bess­er zu sein als sie schon ist. Die Eltern wollen ihre Tochter vor einem zukün­ftig schw­eren Leben schützen. Ann wird später oft denken, dass sie nicht gut genug ist – wenn etwas uner­wartet schlecht aus­ge­ht, find­et Ann die Schuld bei sich.

In der Schule fällt nur auf, dass sie nicht musikalisch ist. Auf­grund der Rechen­schwäche, die den kryp­tis­chen Namen Dyskalkulie trägt, ist sie wed­er rhyth­misch noch kann sie Takt zählen. In Heimatkunde sieht sie sich gezwun­gen Land­karten auswendig zu ler­nen, da Dyskalku­lanten das räum­liche Vorstel­lungsver­mö­gen fehlt. In Math­e­matik erhält sie die Grund­schulzeit über eine Eins. Ann rech­net nicht, sie lernt alle Auf­gaben auswendig.

Ab der fün­ften Klasse geht Ann auf das Gym­na­si­um. Ihr Ehrgeiz fängt Feuer, zumin­d­est um diesel­ben Ergeb­nisse wie andere zu erzie­len. Anders als ihre Fre­unde muss Ann nach­mit­tags dafür ler­nen. Für Hausauf­gaben, die Fre­unde in den Pausen machen, benötigt sie Stun­den. Sie for­muliert die Englisch-Hausauf­gaben ander­er und erhält dafür von ihnen Mathe-Lösun­gen. Wenn Lehrer die Rechen­wege erfra­gen, schweigt sie bis andere antworten müssen oder wird, wenn das nicht aus­re­icht, hyper­ak­tiv. Ihre Ver­hal­tens-Note weicht von denen der Klassenkam­er­aden ab. Ann bemerkt das Ander­sar­tige, weiß aber nicht wie sie es nen­nen und mit wem sie darüber sprechen soll.

Bei ihrem Brud­er diag­nos­tiziert man zu dieser Zeit Legas­the­nie. Eine Leseschwäche, die auch beim Onkel und dessen Tochter auf­fällt. Eine zusät­zliche Belas­tung für das leis­tung­sori­en­tierte Eltern­haus.

Ann wird in die sech­ste Klasse ver­set­zt. Taschen­rech­n­er und Geografie sind neu. In Geografie fällt ihr auf Land­karten die Ori­en­tierung schw­er. In Kun­st kann sie Räum­lichkeit nicht zeich­nen. In ihrem Kopf entste­hen Bilder, die sie nicht wie andere aufs Papi­er brin­gen kann. Das Gehirn eines Dyskaku­lanten hat kein räum­lich­es Vorstel­lungsver­mö­gen, kann Räum­lichkeit nicht auf Papi­er über­set­zen. Lin­eal und Dreieck sind für Ann sinn­los, keine Hil­f­s­mit­tel. Als sie in Hauswirtschaft einen drei­di­men­sion­alen Raum zeich­net, erhält sie dafür eine Sechs. Heute zeich­net sie dig­i­tal — auch drei­di­men­sion­al.

In Math­e­matik, Biolo­gie und Chemie wer­den die Rech­nun­gen kom­plex­er. In Geografie ist die Weltkarte eine Her­aus­forderung. Bish­er hat­te sie auf der Deutsch­land­karte Bun­deslän­der nach For­men auswendig gel­ernt. Doch die Weltkarte über­fordert sie – schon Polen und Tschechien sind schw­er zu find­en. Sie weiß dass Rus­s­land das größte zusam­men­hän­gende “Ding” ist. In Math­e­matik, Biolo­gie und Chemie erhält sie zu Ende des Schul­jahres ein “befriedi­gend”. Ihr Lern­pen­sum erhöht sich drastisch. Ihre Eltern stre­ichen den Sport, in der Hoff­nung den Leis­tungsab­fall zu beheben.

Ihre Mut­ter wird – auf­grund der Legas­the­nie ihres Brud­ers – Lei­t­erin ein­er Selb­sthil­fe­gruppe. Wodurch sie später zur Vor­sitzen­den eines Ver­ban­des für Men­schen mit  Legas­the­nie wird. Um die Mut­ter zu unter­stützen, liest sich Ann in das The­ma ein. Sie will ihrem Brud­er und ihrer Mut­ter helfen und sich an der Aufk­lärungsar­beit für Infor­ma­tion­s­abende beteili­gen, weil ihre Mut­ter nicht gerne alleine vor Frem­den spricht. Sie hält als Schwest­er eines legas­thenen Brud­ers Vorträge über ihre Erfahrun­gen mit ihm.

Wenn im Unter­richt Seiten­zahlen genan­nt wer­den, damit die Schüler ihre Büch­er entsprechend auf­schla­gen, fra­gen die Lehrer Ann oft, warum sie so lange blät­tert. Ihre Antwort lautet dann, dass sie die Zahl vergessen hat. Die Lehrer schreiben die Zahl an die Tafel. Aber auch das hil­ft Ann nicht. Also bringt Ann, um die Sit­u­a­tion zu umge­hen, keine Schul­büch­er mehr mit zur Schule.

Die sech­ste Klasse des Gym­na­si­ums muss Ann wieder­holen. Sie lernt wie zuvor auswendig was sich auswendig ler­nen lässt und erhält daraufhin ein Einser-Zeug­nis. Die siebte Klasse bietet nicht viel Neues. In der Acht­en muss sie einen Leis­tungskurs wählen. Das kle­in­ste Übel für sie ist Chemie. Erst­mals begin­nen Schulka­m­er­aden sie zu mobben für das was sie nicht kann – Zahlen.

Haben Mäd­chen Rechen­schwächen, hal­ten das viele für nor­mal aber nicht für Dyskalkulie. Die Erwä­gung sich ein­er Diag­nose zu unterziehen, verzögert sich. Die Erle­ichterung nicht dumm zu sein, eben­falls. Legas­the­nie taucht sta­tis­tisch häu­figer bei Jun­gen auf, denen man eine unle­ser­liche Hand­schrift eher verzei­ht, wodurch Schreib­schwächen Diag­nosen sich gle­icher­maßen verzögern. In Anns Fall dauert die Fest­stel­lung der Dyskalkulie darum 20 Jahre. Man sagt ihr lange, sie sei ein Mäd­chen und das es in der Natur der Mäd­chen läge, dass diese Prob­leme mit  Natur­wis­senschaften haben. Die sich wieder­holende Annahme man­i­festiert sich in Ann: Mäd­chen kön­nen keine Zahlen.

Nach­dem das Mob­bing am Gym­na­si­um Über­hand nimmt, die Eltern zunächst keinen Schul­wech­sel bil­li­gen wollen, Ann sich aber bei ihnen durch­set­zt, wech­selt sie in die neunte Klasse ein­er Mit­telschule. Doch in der neuen Schule wird sie wieder gemobbt. Dieses Mal weil sie vom Gym­na­si­um kommt, von der Acht­en direkt in die neunte Klasse kommt — das miss­fällt den Mitschülern.

Ihre Noten wer­den den­noch bess­er, außer die Math­e­mati­knote. In der Sportk­lasse ist sie das einzige Mäd­chen. Man klaut ihre Klam­ot­ten, ihre Math­e­büch­er. „Die brauchst du doch nicht“, heißt es boshaft. Ihre Fre­unde sind räum­lich ander­norts. Ann muss sich sel­ber helfen. Auf­grund des steti­gen Mob­bings manch­er Mitschüler, dis­tanzieren sich immer mehr Klassenkam­er­aden und erst­mals auch Fre­unde von ihr. Sie erträgt die Sit­u­a­tion in dem Glaube, dass das richtige Leben erst nach der Schule begin­nt. Das man Mathe, Geografie und viele andere Inhalte dafür nicht braucht. Sie glaubt an eine bessere Zukun­ft für ihr Leben. Sie glaubt dass sie anderen helfen kann. Sie glaubt an das Beste in jedem und das jed­er eine zweite Chance ver­di­ent.

Eine einzige Fre­und­schaft aus dieser Zeit über­lebt: Die zu jen­em Jun­gen, den sie später ihren Part­ner nen­nt. Er weiß nichts von ihrem Schick­sal, der Dyskalkulie, nichts vom Mob­bing oder dem Anspruch der Eltern. Er geht auf eine andere Schule. Sie tre­f­fen sich an den Woch­enen­den. Sein Steck­enpferd: Math­e­matik. Er ver­sucht ihr alles zu erk­lären. Sie fragt ihn bei Rech­nun­gen nach seinem Lösungsweg, weil sie ver­ste­hen will. Er sagt, die mache er im Kopf.

Ann fährt zusam­men mit ihrer Mut­ter auf den Kongress des Lan­desver­ban­des für Legas­theniker nach Erfurt und lernt die Grün­dungsmit­glieder der Jun­gen Aktiv­en Legas­theniker und Men­schen mit Dyskalkulie ken­nen. Der Bun­desver­band für Legas­the­nie (BVL) will ein Sum­mer-Camp für Men­schen mit Hand­i­caps aus ganz Europa auf Mal­ta organ­isieren. Ann begleit­et ihre Mut­ter.

Auf Mal­ta spricht sie erst­mals mit Betrof­fe­nen über ihre Prob­leme mit Zahlen – das erste Mal hört man ihr dabei zu. Zum ersten Mal fragt man die richti­gen Fra­gen und das erste Mal find­et Ann Worte die die Prob­leme beschreiben die sie erlebt. Man rät ihr zu einem Test, erst­mals und drin­gend.

Für die Reise nach Mal­ta muss sie alleine von Leipzig nach Frank­furter fliegen, um von dort Rich­tung Mal­ta zu kom­men. Der erste Flug für Ann. Alle wichti­gen Infor­ma­tio­nen beste­hen an diesem Tag aus Zahlen. Ihr Fre­und bringt sie zum Leipziger Flughafen. Eine Secu­ri­ty-Mann in Frank­furt hil­ft. Er bringt sie zum Gate. Sie wartet fünf Stun­den auf ihren Flug. Sie ist immer pünk­tlich oder wie sie sagt: Lieber eine Stunde früher da, als fünf Minuten zu spät.

Zu diesem Zeit­punkt trägt sie eine Arm­ban­duhr. Klas­sisch mit Zeigern und ohne Zahlen. Die kann sie nicht lesen. Sie trägt die Uhr um eine Uhr zu tra­gen. Wenn jemand nach der Zeit fragt, antwortet sie, “guck sel­ber drauf” und gibt sich beschäftigt.

Wenn sie mit der Bahn reist, brin­gen die Eltern sie zum Bahn­hof. Sie plant stets eine Stunde vor Abfahrt am Bahn­hof zu sein. Sie sagt, weil sie noch in die Bahn­hofs­buch­hand­lung will. Damit ihr genü­gend Zeit bleibt und kein­er Fra­gen stellt. In Leipzig holt sie stets ihre Oma ab. Weit­er­führende Züge merkt sie sich anhand der Gleise, nicht der Zahlen. Ihre Welt bricht zusam­men, wenn ein Zug spon­tan an einem anderen Gleis abfährt. Dann muss sie Men­schen fra­gen, alle Text-Anzeigen an jedem Gleis lesen, um die falschen Gleise auszuschließen und das Richtige zu find­en. 

Auf Mal­ta erzählt sie von ihren Reise-Erleb­nis­sen in Frank­furt. Man rät ihr sich testen zu lassen. Ann hat Angst. Vor der Möglichkeit, dass man bei ihr eine Rechen­schwäche diag­nos­tiziert.

Nach Mal­ta erzählt sie ihrer Mut­ter von den Gesprächen mit Betrof­fe­nen aus dem Camp. Von Mäd­chen wie Jun­gen die nicht kön­nen was auch sie nicht kann. Sie erk­lärt ihrer Mut­ter erst­mals ihre schlecht­en Noten. Die Mut­ter glaubt nicht. Ann glaubt ihrer Mut­ter.

Eines der Grün­dungsmit­glieder der Jun­gen Aktiv­en bleibt behar­rlich, emp­fiehlt Ann weit­er­hin den Test, um zu erken­nen dass sie nicht dumm ist. Die Behar­rlichkeit nimmt ihr die Angst vor dem Ergeb­nis, vor der Erken­nt­nis. Sie lässt sich testen. Ohne ihre Eltern. Die Fam­i­lie ihres Fre­un­des finanziert den Test.

Der Gedanke dumm zu sein kam durch die Schule, durch Lehrer die behaupten, dass sie als Mäd­chen Dinge nicht könne. Das Gle­iche geschieht durch die Jungs, die sie als Mäd­chen für zu dumm für Math­e­matik hal­ten. Anns Glaube ist Ergeb­nis der Annah­men ander­er. 

Im Duden-Insti­tut macht sie den Test. Sie beste­ht den Test nicht und erhält die Diag­nose zur Dyskalkulie mündlich vor­ab. Ihr Fre­und glaubt nicht an das Diag­noseergeb­nis. Andere Men­schen auch nicht. Eher daran, dass sie Mäd­chen ist und zu faul Zahlen zu ver­ste­hen. Ann ist zer­ris­sen.

Dabei geht es nicht nur um Math­e­matik. Es ist der All­t­ag – Bezahlen mit Geld, Zeit organ­isieren und ein­schätzen, einkaufen, Wech­sel­geld, Ori­en­tierung oder Uhrzeit­en lesen. Ann will oft zu viel für zu wenig Geld einkaufen.

Das offizielle Ergeb­nis kommt 14 Tage später. Inzwis­chen macht Ann eine Aus­bil­dung zur Erzieherin. Ein pos­i­tives Ergeb­nis, sprich die Bestä­ti­gung der Dyskalkulie wäre eine Erle­ichterung – ein­er­seits. Ander­er­seits ist Angst in ihr, die Ergeb­nisse mit anderen zu teilen. Angst davor gegenüber anderen Nachteil­saus­gle­ich zu erhal­ten, erleben, das andere denken kön­nten, dass sie bevorteilt würde. Sie hat den Ärg­er manch­er Eltern und Mitschüler gegenüber legas­thenen Men­schen beobachtet. Zudem erk­lären manche Men­schen ihr, dass es Dyskalkulie nicht gibt. Die Forschung zur Dyskalkulie ist noch jung im Ver­gle­ich zu der der Legas­the­nie. Es gibt Men­schen, die Heilung in Tablet­ten-Form noch heute erfol­gre­ich verkaufen. Wie Pillen gegen Homo­sex­u­al­ität.

Ann wird krank. Ihre Herzkrankheit holt sie wieder ein. Welche genau weiß kein­er. Sie kippt häu­figer um. Eigentlich ihr Leben lang schon. Mit dreizehn bekommt sie einen Herzka­theter. Für die Ärzte war ihre Gesund­heit damit einst wieder hergestellt. Alle Ärzte attestierten ihr vor­mals Gesund­heit. Und das alles andere Ein­bil­dung sei. Das glaubt sie bzw. sie glaubt, dass sie zu viel mache. Sie find­et die Schuld bei sich. Das vielle­icht das Mob­bing eine belas­tende Rolle spielt aber alles wieder verge­ht. Sie ver­sucht nicht mehr daran zu denken, dass etwas mit ihrem Herz nicht stimmt. Sie will glauben das sie gesund ist.

Während der Aus­bil­dung kippt sie häu­figer um. Es fol­gt die Diag­nose, dass der Leis­tungss­port und der ein­stige Sauer­stoff­man­gel im Laufe der Zeit zu drei Herzfehlern geführt haben – ein zu schneller, manch­mal ein zu langsamer Herzrhyth­mus und eine zu lange Pause. Hin und wieder schlägt darum ihr Herz kurz nicht. Sie wird dann kurz bewusst­los. Nor­mal wacht sie von alleine wieder auf oder stürzt kurz, wie sie selb­st es beschreibt: Kurz stürzen. Doch an einem Tag in jen­em Som­mer wacht sie mor­gens auf, redet wirr, ihr Herz rast, man bringt sie ins Kranken­haus. Die Geräte schla­gen in der Nacht Alarm. Sie wacht nicht mehr auf. Am mor­gen erzählen ihr die Ärzte von ein­er Rean­i­ma­tion. Eine Woche später lebt sie mit einem Herz­schrittmach­er. Wäre sie zuhause geblieben, wäre sie tot.

Auf­grund der Herzgeschichte und der Abwe­sen­heit während der Aus­bil­dung ver­weigert man ihr den Abschluss. Sie kann die Fachar­beit nicht abgeben und die Prü­fung nicht mitschreiben. Ann erhält kein Fach­abitur und kein Aus­bil­dungszeug­nis. Sie wird keine Erzieherin. Das ist was sie wollte: anderen helfen, das schwere Leben zu ver­hin­dern.

Man sagt ihr, nach ein­er Reha kann sie den Abschluss nach­machen. Nach langer Wartezeit macht sie die Reha. Sie fragt danach erneut bei der Schule an. Die ver­weigert ihr den Abschluss der Aus­bil­dung auf­grund des Krankheits­bildes weit­er­hin. Sie ver­sucht sich an anderen Schulen, doch alle schätzen die Gefahr eines Herz­schrittmach­ers gle­ich ein. Nie­mand will das Risiko tra­gen, das Ann auf der Arbeit mit Kindern ihr Bewusst­sein ver­liert.

Sie bekommt einen hal­b­jähri­gen Rheumaschub.

Der Herz­schrittmach­er ist nun zwei Jahre in ihr. Sie hat Fre­unde ver­loren, weil die nicht klarkom­men auf ihren kurzen Tod, die Rechen­schwäche und den Herz­schrittmach­er. Viele wis­sen nicht wie sie mit Ann umge­hen sollen. Zwei Fre­undin­nen und ihr Fre­und sind geblieben. Viele andere ver­schwinden langsam aus ihrem Leben. Zunächst gibt es Nachricht­en, Besuche im Kranken­haus. Doch dann lassen die Nachricht­en nach, die Antworten und die Besuche auch.

Sie arbeit­et derzeit als 450 Euro-Kraft bei Sub­way. Dort weiß man mit ihr umzuge­hen. Sie möchte eine Zeit Beruf­sprax­is sam­meln. Sie über­legt zu studieren. Sie wäre gern Bib­lio­thekarin. Doch dann hätte sie ein Semes­ter Sta­tis­tik. Alter­na­tiv möchte sie noch immer Erzieherin wer­den. Eine eigene Kita leit­en ist ein Traum.

Sie über­legt was sie für Men­schen mit Legas­the­nie und Dyskalkulie machen kann. Am lieb­sten Aufk­lärungsar­beit, damit beispiel­sweise mehr Lehrer und Eltern wis­sen wie alles ist, um bess­er helfen und früher erken­nen zu kön­nen. Dass Lehrern und Erziehern das The­ma nicht wahl­frei son­dern verpflich­t­end ver­mit­telt wird, ist ihr ein Anliegen. Damit alle die, die Kinder betreuen zukün­ftig noch sen­si­bler wer­den. Damit dank frühzeit­iger Diag­nosen Kindern ein schw­eres Leben erspart wird.

Betrof­fe­nen Fam­i­lien möchte sie eines mit­geben: Kinder wer­den früh ver­glichen in dieser Gesellschaft. Dabei gibt es kein per­fek­tes Kind, keine per­fek­te Fam­i­lie. Wenn man das ein­mal begreift, ist ein ADHS-Kind, ein Kind im Roll­stuhl, jedes Kind gle­ich viel wert. Das muss diese Gesellschaft noch ler­nen, sagt sie.

Sie sagt, sowieso kommt alles anders als man denkt. Wichtig find­et sie, dass man dem Leben gegenüber flex­i­bel bleibt.

Ann engagiert sich heute bei den Jun­gen Aktiv­en. Die Gruppe beste­ht aus Jugendlichen und jun­gen Erwach­se­nen mit Legas­the­nie oder Dyskalkulie. Darunter auch Juris­ten, Bürokaufrauen, Mechaniker oder Pro­movierende aus ganz Deutsch­land.

 

Deutscher Apfel

Wir haben uns ein Spazier­gang an frisch­er Luft gegön­nt — wegen Vit­a­m­in­bil­dung, Sonne und weil blauer Him­mel doch oft mehr wirkt als Zim­merdecke. Dieses Mal sind wir in den Schre­ber­garten am Wasser­turm in Stellin­gen. Von der Woh­nung aus der näch­ste Stop für paradiesis­che Ruhe.

Und was macht man im Paradies? Man fotografiert es, weil man Erleb­nis ungeteilt kaum aushält.

Was für eine Welt die Schre­bergärten sind! Man traut sich kaum über eine Hecke zu greifen und eine Pflaume zu pflück­en, weil sich das inko­r­rekt anfühlt und die deutsche Kor­rek­theit hier in die Luft gemeißelt ste­ht oder per Deutsch­land­flagge in das Vere­in­sheim gehangen scheint.

Hier wächst nichts wie es will. Hier ist die Regel die Natur. Hier sind die Pächter Göt­ter und jed­er Gärt­ner Ord­nung­shüter über Unbekan­nte.

Auch wenn ich selb­st gern ein solch­es Stück Ruhe zum Bücher­lesen unter freiem Him­mel hätte! Den Wartelis­ten für Bewer­ber nach zu urteilen, habe ich bis dahin meine Drit­ten sich­er.

Mein Garten bestünde aus Unkraut, Obst­bäu­men und ein­er Armee Wild­blu­men — in der ich nackt als Vorzeigeschre­ber im Schat­ten der Mirabellen säße. Und einen Kühlschrank mit Weinen und wech­sel­nden Käs­esorten hätte. Mit Hand­schuhen und Schal in den Win­tern tagträu­mend Tee trinken — mit und ohne Fre­un­den.

Die kon­stru­ierten Wirk­lichkeit­en in Heck­en­form, die Gradlin­igkeit zugeschnit­ten­er Natür­lichkeit ste­ht einem Muse­ums­be­such in nichts nach — ein völ­lig verkan­ntes Weltkul­turerbe, wenn man mich fragt. Ein Auswuchs natür­lich­er Wohnz­im­mer, von Kleingeis­tern und Garten-Genies gestal­tet, alles in der Aus­lage. Ein Fest für unsere iPhone-Kam­eras. Man bekommt gute Laune bei so viel Kün­stlichkeit in freier Natur.

Das größte Fest für die Sinne waren let­ztlich aber die Äpfel der freis­te­hen­den Obst­bäume! Lange nicht mehr so leck­er umson­st gegessen. Und wie befriedi­gend ist bitte Obstpflück­en!

Humboldt stürzen

Die Bil­dung wollen sie rev­o­lu­tion­ieren oder wie Jan Hes­sel­barth bei sein­er Anmod­er­a­tion sagt, „Hum­boldt stürzen“, wenn es denn sein muss. Jan ist Grün­der und gemein­sam mit Lin­da Brack will er eine Uni­ver­sität grün­den. Eine ganz andere — nicht nur für Schu­la­bgänger. Sie arbeit­en bere­its an einem Bil­dungside­al, das sich von dem uns Bekan­nten ordentlich emanzip­ieren wird.

Haus 73, Ham­burg Schanze, ein paar Stock­w­erke ober­halb der Pflaster­straße des Schul­terblattes trifft Flow Edu­ca­tion die Com­mu­ni­ty bei Glüh­wein und Fan­ta. Lin­da legt Musik auf.

An diesem Abend wird es drei Impul­sred­ner geben, die Jan und seine Part­ner­in Lin­da ein­ge­laden haben. Neben ein­er Son­der­päd­a­gogin, ein­er Vertreterin der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome, neben den Grün­dern Lin­da und Jan, soll ich reden.

An der Bar lerne ich Roger Lange ken­nen, er ist Lehrer für Bogen­schießen. Dann Lau­ra Rosche­witz, die die Demokratis­che Schule Infini­ta aufge­baut hat. 70 Schüler, vor Anmeldege­suchen kön­nen sie sich ihren Aus­sagen zufolge kaum ret­ten. Jet­zt aber will Lau­ra Neues anfan­gen. Eine Studie über Angst. Die erste Schu­la­bgän­gerin hat, erwäh­nt sie beiläu­fig, grade einen Preis als Doku­men­tarfilmerin erhal­ten. Ein Mann mit sel­tenem Namen Isger gesellt sich später an unseren Tisch, IT-Stu­dent inmit­ten sein­er Mas­ter­ar­beit für Edu­ca­tion Tech­nolo­gie, fragt ob ich auch an Bil­dung­sein­rich­tun­gen helfe. Wir fahren später ein Stück U‑Bahn zusam­men. Ger­rit Bruno, Grün­der von Study.EU, gesellt sich zu uns. Alle reden inten­siv­er als ich. Ich konzen­triere mich auf Fra­gen. Der Tisch pro­duziert mehr Worte als in meine Ohren passen.

Marc Alexander Holtz, Kommunikationskönner, Sparringspartner Flow Education

Lin­da kündigt mich an, meine Fan­ta halb leer, ich wollte pinkeln noch. Zu spät. Sie sagt man müsse mich gehört haben. Das habe ich nie gesagt, denke ich geschme­ichelt. Die Gute. Sie ver­ant­wortet neuerd­ings die beta­haus Acad­e­my.

Ich vol­lends aufgeregt spreche vor Bil­dungsin­ter­essierten — als Work­shop­per, als Dozent, Spar­ringspart­ner für Grün­der der ja auch Wis­sen ver­mit­teln sollte. Irgend­wie Demut — wie viele Lehrer sind hier?! Ich beginne und sage, „wenn ich Lin­da und Jan zuhöre, bin ich danach immer ganz durcheinan­der, so viel passiert in meinem Kopf“.

Marc Alexander Holtz Vortrag zu Flow Education im Haus 73

Unvor­bere­it­et spreche ich über Marc und Bil­dung. Ohne Agen­da. Weil ich das wollte — für einem Impulsvor­trag zur Stig­ma­tisierung von Fehlern oder wie Sir Ken Robin­son sagt: Wer nicht prä­pari­ert ist Fehler zu machen, wird nie etwas Orig­i­nales erschaf­fen. Killt seine Kreativ­ität. Nicht nur in den Schulen. Auch in den Cor­po­rates tötet man sie, die Kreativ­ität und die Orig­i­nale.

#goenndirbildung Flow Education

Vie­len Dank und meinen Respekt an FLOW EDUCATION, für das Brett das ihr bohrt.

Europe (What a speech!)

Europe is cur­rent­ly bound to the North by pop­ulism and to the south by refugees drowned by the sea, to the East by Putin’s tanks, to the West by the Trump Wall.

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In the past, by war, in the future with Brex­it. Today, Europe is alone more than ever, but it’s cit­i­zens do not know it.

Europe is, how­ev­er, for that rea­son, the best solu­tion and we do not know how to explain that our cit­i­zens.

Glob­al­i­sa­tion teach­es us that today Europe is inevitable, there is no alter­na­tive. But Brex­it also tells us that Europe is reversible, that you can walk back­wards in his­to­ry, even though, out­side Europe, it is very cold.

Brex­it is the most self­ish deci­sion ever made since Win­ston Churchill saved Europe with the blood, sweat and tears of the Eng­lish.

Say­ing Brex­it is the most insid­i­ous way of say­ing good­bye.

Europe is not a mar­ket, it is the will to live togeth­er. Leav­ing Europe is not leav­ing a mar­ket, it is leav­ing shared dreams.

We can have a com­mon mar­ket, but if we do not have com­mon dreams, we have noth­ing. Europe is the peace that came after the dis­as­ter of war.

Europe is the par­don between French and Ger­mans.

Europe is the return to free­dom of Greece, Spain and Por­tu­gal.

Europe is the fall of the Berlin Wall.

Europe is the end of com­mu­nism.

Europe is the wel­fare state, it is democ­ra­cy.

Europe is fun­da­men­tal rights.

Can we live with­out all this? Can we give this all up? For a mar­ket we are going to leave all that behind?

Este­ban González Pons, Euro­pean Par­lia­ment Mem­ber from Spain

 

Snapchat-Tutorial für Angeber

Was ist Snapchat? Das Gegen­teil von Inter­net – das Inter­net weiß alles, Snapchat ver­gisst alles. Texte, Fotos oder Videos, ein­mal versendet, löschen sich auf Empfänger­seite nach dem Öff­nen inner­halb von Sekun­den von selb­st. Was bleibt ist die Erin­nerung. Was wie Alzheimer klingt, nen­nt sich Snapchat und lässt die alt ausse­hen, die erst hinzukom­men wenn alle schon da sind. In den USA ist die App bere­its erfol­gre­ich­er als Face­book.

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Snapchat – Siegeszug ohne Hemmschwellen

Der Mark­twert liegt derzeit bei 20 Mil­liar­den. Man kann sich vorstellen, wie nervös Wer­be­treibende nach Ideen suchen, sich im (noch) Teenag­er-Net­zw­erk einzuhack­en.

Das Snapchat nur für Jugendliche sei, ist eine Behaup­tung von zu Lebzeit­en bere­its Ver­stor­ben­er. Wir haben es oft genug beobachtet: Junge Men­schen adap­tieren Inno­va­tio­nen früher als Erwach­sene. So war es bei Face­book, bei What­sApp oder bei Insta­gram, so wird es bei live.ly sein – Snapchat kommt erst Dank Teenagern erst bei denen an, die Ihre Jugend bere­its hin­ter sich haben.


Schände dein Image, sofern eines vorhan­den ist!

Der ver­stor­bene Mod­er­a­tor Roger Wil­lensen soll ein­mal gesagt haben: Wenn man schon ein Image hat, dann muss man es schän­den.

Die Bere­itschaft ein Image zu wahren, zu gestal­ten oder zu riskieren, lässt sich bei Snap­pern in drei Grup­pen unterteilen:

1. Kon­sumenten die nur emp­fan­gen und beobacht­en (= kein Imagerisiko oder Wahrung des beste­hen­den Images).

2. Kom­men­ta­toren die auf Snaps nur reagieren (= geringes Imagerisiko oder Bestä­ti­gung des vorhan­de­nen Images)

3. Die Pro­duzen­ten (= kein Image, unberechen­bares Image, facetten­re­ich­es, kreatives oder idi­o­tis­ches Image)

Wer nur guckt aber nichts Eigenes auf den Weg bringt, ist hier schnell iden­ti­fiziert.

Snapchat – … babyleicht sagen die Anderen


Snapchat ist eine App für Ent­deck­er und das Ent­deck­en belohnt mit guten Über­raschun­gen: Vier Menü-Optio­nen lassen sich mit einem Wisch nach oben, unten, links oder rechts find­en.

Snapchat – Chats, Fotos und Videos


Fan­gen wir an: Snapchat ist kosten­los und für alle neuen Smart­phones und Tablets ver­füg­bar. Ältere Geräte sind über­fordert. Schon das iPhone 5 kann einem den Spaß verder­ben.

Snapchat bietet Chat‑, Foto- und Vide­o­funk­tio­nen. Mit Snapchat lassen sich (Video-) Anrufe täti­gen, Sprach­nachricht­en versenden, Stick­er und Fotos eben­so. Anders ist hier, dass Snaps sich nach Ansicht durch Empfänger automa­tisch löschen.

Der Chat ist pri­vat und nicht von anderen ein­se­hbar. Der Absender bes­timmt, wie viele Sekun­den sein Foto dem Empfänger zu Ver­fü­gung ste­ht, bevor es wieder gelöscht wird. Min­i­mal eine, max­i­mal zehn Sekun­den. Die Ein­stel­lung find­et sich nach dem Fotografieren links unten im Dis­play. Ein­mal drück­en, Sekun­den­zahl auswählen, absenden. Empfänger sehen die Zeituhr nach Öff­nen der Nachricht im Bild­schirm: 3, 2, 1 … gelöscht.

Es lassen sich – für Fotos wie für Videos – mehrere Empfänger gle­ichzeit­ig adressieren. Das gibt sogle­ich Punk­te auf den eige­nen Snap­score (später mehr dazu) – er gibt Auskun­ft über den Aktiv­itäts­grad eines Users. Empfänger kön­nen eine Nachricht nach Ansicht ein­ma­lig neu laden und ein zweites Mal anschauen. Geschieht das, bekommt man als Absender eine Nachricht. Es sei denn … Flug­modus.

Das auf einen Screen­shot ein Hin­weis an den Absender geht, dient der Abschreck­ung – hält im Zweifels­fall aber nie­man­den davon ab.

Snapchat – Eine Frage der Einstellung

Bevor man begin­nt, ist der Blick in die Pro­file­in­stel­lun­gen die beste Ver­sicherung gegen zukün­ftige Schreck­mo­mente. App starten, das Gespenst am oberen Rand drück­en oder herun­ter­wis­chen, danach oben rechts Stellschraube für Ein­stel­lun­gen auswählen. Hier wird aus­gewählt, wer einen kon­tak­tieren (Jed­er, meine Fre­unde) und wer später meine Sto­ry anse­hen darf (Jed­er, meine Fre­unde, benutzerdefiniert). Der Rest der Ein­stel­lun­gen ist nicht der Rede wert.

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Snapscore – Wer ist wie aktiv auf Snapchat?

Wer zunächst wis­sen will, wie aktiv einzelne Snap-Fre­unde sind, wirft einen Blick auf den Punk­te­s­tand eines Users, den Snap­score. Der Snap­score gibt Auskun­ft über den Aktiv­itäts­grad der jew­eili­gen Per­son. Wer sich noch im zweis­tel­li­gen Bere­ich befind­et, dürfte den Anfänger­sta­tus nicht über­schrit­ten haben. Um den Snap­score aufzufind­en, drückt man wieder das weiße Gespenst – nur im Kam­er­amodus auf dem Dis­play sicht­bar. Danach erscheint das gelbe Pro­fil-Logo (Snap­code), Snap­name und der Snap­score. Die Punk­tzahl set­zt sich aus ver­schick­ten und erhal­te­nen Snaps zusam­men und soll Auskun­ft über den Aktiv­itäts­grad des Snap­pers geben.

Snapchat – Discover, Live, neueste Updates, Storys

Sämtliche Snaps aller Fre­unde, ihre Sto­rys und weit mehr lassen sich im Kam­er­amodus (dem Haupt­menü) mit einem Wisch nach links öff­nen.

Unter Dis­cov­ery  find­en wir die Chan­nel von Unternehmen wie Buz­zfeed, Vice und Co. Ein­fach Logo antip­pen und die Snaps begin­nen. Kann ganz lustig sein – frus­tri­erend ist nur, dass Unternehmen andere Möglichkeit­en erhal­ten als wir selb­st und die Snaps darum hoch­poliert daherkom­men. Dafür zahlen Sie allerd­ings.

Direkt darunter neueste Updates unser­er Snapchat-Fre­unde und eine Etage darunter wiederum alle Sto­rys der­sel­ben, sprich ihre aneinan­derg­erei­ht­en gesam­melten Snaps. Zumin­d­est all jene, die nicht älter als 24 Stun­den sind. Uraufgetippt geht es los. Was einen lang­weilt kann man vor­spulen, in dem man ein­mal auf das laufende Bild oder Video tippt, springt man einen Snape weit­er. Oben im Bild­schirm erscheint der jew­eils Name des Users, dessen Snaps oder Sto­ry man grade betra­chtet. Will man die laufend­en Sto­rys in Gänze abbrechen, weil zu lang­weilig oder warum auch immer, ein­fach nach unten wis­chen und man kommt zurück in das zulet­zt gewählte Menü.

Snapchat – “Meine Story”


Wer möchte, kann seine Foto- oder Videoschnipsel (Snaps) in die so genan­nte “Meine Sto­ry” ein­fü­gen. Alle Inhalte, die über den Tag verteilt in der Sto­ry veröffentlicht wer­den, rei­hen sich zu einem lan­gen Film­streifen aneinan­der. Nach jedem erstell­ten Foto oder Snapvideo fragt Snapchat, an wenn das Mate­r­i­al gesendet wer­den oder ob es gle­ichzeit­ig auch für 24 Stun­den in die Sto­ry einge­fügt wer­den soll. Man kann alles Eigene auch spe­ich­ern aber dazu später mehr.

Meine Sto­ry” ist für alle oder, wenn so eingestellt, nur für Fre­unde sicht­bar. “Meine Sto­ry” ist im Gegen­satz zu pri­vat­en Kon­ver­sa­tion die öffentlich ein­se­hbare. Im Gegen­satz zu einem an aus­gewählte “Fre­unde” versende­ten Beitrag kann “Meine Sto­ry” einen Tag lang ange­se­hen wer­den, so oft jemand möchte. Man kann unbe­gren­zt viele Snaps aneinan­der­rei­hen und so die Geschichte erzählen. Ein Snap, ein­mal in der Sto­ry veröf­fentlicht, löscht sich nach exakt 24 Stun­den automa­tisch.

Wer seine Sto­ry oder die einzel­nen darin befind­lichen Snaps vorher löschen möchte, kann das manuell tun. Die Lösch­funk­tion ist für Anfänger kaum auffind­bar. Dabei ist der Weg kurz: App öff­nen, ein­mal nach links gewis­cht, sofern dann eine Sto­ry bere­its vorhan­den ist, tippt man rechts auf das Menü, Snap auswählen, ein Wisch nach oben und der Mülleimer erscheint als Option oben rechts. Gele­sen klingt das sper­rig, mit der App vor Augen ist das schnell gel­ernt.

Was versendet man auf Snapchat?

Was richtig oder falsch ist, hängt beim Kom­mu­nizieren auch hier vom Empfänger ab: Ich snappe mit der Fam­i­lie anders als mit Arbeit­skol­le­gen, mit Fre­un­den anders als mit Bekan­nten. Kurz: Man ist was man sendet oder was man sein will.

Wie finde ich heraus wer bei Snapchat ist?

Es ist leicht her­auszufind­en wer von den eige­nen Fre­un­den oder Bekan­nten schon bei Snapchat istNach dem Öff­nen der App auf das Snapchat-Icon – ein weißes Gespenst –  am oberen Bil­drand klick­en oder alter­na­tiv ein­fach das Gespenst mit dem Fin­ger nach unten ziehen.


Das erscheinende Menü ist selb­stre­dend. Wer Snapchat an dieser Stelle den Zugriff auf die per­sön­lichen Kon­tak­te im Tele­fon gewährt, find­et prob­lem­los alle Snap­per aus dem eige­nen Tele­fon­buch. Zusät­zlich kann man nach User­na­men suchen oder Per­so­n­en aus dem Tele­fon­reg­is­ter per SMS zu Snapchat ein­laden. Mich find­et man hier.

Wo finde ich Snapchat­fil­ter und ‑masken?


Es gibt täglich neue Sets an Gesichts­fil­tern oder leichter voll­stell­bar: Masken. Egal ob für Fotografien oder Videoauf­nah­men. Und wer möchte kann sog­ar jedes iden­ti­fizier­bare Gesicht aus sein­er eige­nen Foto­me­diathek auf­set­zen. Wem die Gesichter sein­er Fre­unde und Bekan­nten nicht aus­re­ichen, macht Screen­shots sein­er Lieblings-Celebri­ties. Dank Snapchat kann jed­er sich mit dem Gesicht von Katy Per­ry ablicht­en oder im Video als Justin Bieber erscheinen. Wem das zu gruselig ist, beschränkt sich auf die von Snapchat vorgegebe­nen Masken.

Wer es mit Self­ies nicht so hat­te, wird jet­zt infiziert: Kam­era auf Self­ie-Modus stellen und mit dem Fin­ger das Gesicht berühren. Jet­zt erscheinen am unteren Bil­drand ein Dutzend Masken (Snapchat­fil­ter). Am besten pro­biert man alle mal aus. Schweine­nase, Hund­fresse, Trans­vestit oder Eierkopf. Täglich tauscht Snapchat die Masken aus – einige ver­schwinden, andere erscheinen neu.

Snapchat face swap feature

Face Swap (Gesicht­stausch) war nicht das erste Fea­ture auf Snapchat aber es hat zur Ver­bre­itung der Mes­sag­ing-App sich­er beige­tra­gen. Gesichter­tausch – geht per Foto und Video. Dafür sind die Gesichter zweier Per­so­n­en oder, wenn ein zweites Gesicht nicht in Reich­weite ist, reicht sog­ar ein Stoffti­er, Por­trait­fo­to und selb­st eine Malerei funk­tion­iert. Gesichter müssen für Snapchat lediglich als Gesicht iden­ti­fizier­bar sein – zwei Augen, eine Nase, ein Mund. Dann die Kam­era auf zwei Gesichter hal­ten, ein Gesicht mit dem Fin­ger andrück­en, den Face Swap-Fil­ter (gelb mit zwei Smi­lies) aus dem Optio­nen-Menü auswählen und der Gesicht­stausch startet. Such fun!

Eigene Bilder mit face swap nutzen



Die face swap-Funk­tion mit Bildern des eige­nen Fotoal­bums, ist eine spätere Ergänzung des oben genan­nten Fea­tures. Es ist meines Eracht­ens das beste Fea­ture über­haupt. Snapchat ermöglicht damit Zugriff auf alle Bilder der eige­nen Foto­me­diathek. Zumin­d­est alle auf denen die App Gesichter iden­ti­fiziert. Das bedeutet, dieses Fea­ture schenkt mir die Möglichkeit, mein Gesicht gegen die Gesichter mein­er Fre­unde oder Bekan­nten zu tauschen. Ich kann, mit wessen Gesicht auch immer, Bilder oder Videos pro­duzieren.

Tipp: Wem die bish­eri­gen Gesichter in der eige­nen Mediathek nicht aus­re­ichen oder zu lang­weilig erscheinen, sucht sich weit­ere Gesichter aus dem Inter­net. Vielle­icht woll­ten Sie ohne­hin grade her­aus­find­en, wie Sie als blutver­schmiert­er Jesus ausse­hen oder Hel­mut Kohl mit der Musik von Luciano Pavarot­ti pro­bieren. Grade kein Hel­mut-Por­traits zur Hand? Eine her­aus­ra­gende Recherchen­quelle für Por­traits ist Pin­ter­est. Ein­fach die Web­site oder, sofern auf dem eige­nen Smart­phone schon vorhan­den, die App aufrufen und nach “Porträt suchen. Die Recherche lässt sich end­los ver­fein­ern. Beispiel­sweise mit einem zweit­en Stich­wort wie “Comic“oder etwas Banalem wie“funny”. Es erwarten einen ungeah­nte Bildquellen. Ist erst etwas Hüb­sches gefun­den, macht man davon einen Screen­shot. Dadurch wan­dert das Bild in die eigene Foto-Mediathek. Erken­nt Snapchat den Screen­shot als Gesicht an, erscheint es beim Öff­nen der App in der Auswahl aller Gesichter im face swap-Fea­ture. Mit jedem von der App erkan­ntem Gesicht lassen sich auch Videos drehen. Die Freak­show ist eröffnet – such fun!

Emojis – mobile Smilies und Farbfilter

Smi­lies nen­nt man im Fach­jar­gon unter Jugendlichen Emo­jis. Auf Snapchat im Kam­er­amodus im oberen Bil­drand unter dem Icon auffind­bar, dass aussieht wie ein Abziehbild. Ein Füll­horn an Emo­jis erscheint. Auswählbar durch Tip­pen. Zwei Dinge die man als Anfänger nicht auf dem Radar hat:

Emo­jis lassen sich in einem Video unter­brin­gen und selb­st an sich bewe­gen­den Objek­ten fix­ieren. Angenom­men man möchte einem Gesicht einen Emo­ji aufk­leben – bestünde die Schwierigkeit, dass Gesichter sich in Videos bewe­gen. Der Emo­ji kann tat­säch­lich auf dem sich hin- oder her­be­we­gen­den Gesicht fix­iert wer­den, so dass er sich mit­be­wegt. Wie? Man erstellt ein Video, dann sucht man das Emo­ji aus, platziert es am gewün­scht­en Objekt im Video und hält es einen Moment gedrückt. Das Emo­ji fix­iert sich an seinem Objekt, loslassen und fer­tig. Mit diesem Fea­ture kann man seinen Fre­un­den leicht sig­nal­isieren, den Anfänger­sta­tus über­wun­den zu haben.

Farbfilter für Snaps


Wer mehr Farbe in seine Fotos oder Videos brin­gen möchte, kann das ein­fach mit Emo­jis erledi­gen: Foto oder Video erstellen, wieder Emo­ji auswählen, dabei auf die gewün­schte Farbe acht­en. Wer einen roten Farb­fil­ter für sein Schwar­weiß­bild oder ‑video wün­scht, wählt irgen­deinen roten Emo­ji aus.  Dann den Emo­ji mit zwei Fin­gern immer weit­er aufziehen, sprich ver­größern und dabei den Rand im Auge behal­ten. Desto größer man das Emo­ji zieht, umso pix­eliger wird es, heißt man sieht seine einzel­nen Bild­punk­te aus denen es sich zusam­menset­zt. Diese Teile nen­nt man Pix­el (der kle­in­ste einzelne Bestandteil eines Emo­jis sozusagen). Ein­mal richtig groß gezo­gen, kön­nen sie als her­vor­ra­gende Farb­fil­ter einge­set­zt wer­den. So lassen sich Farb­fil­ter oder ‑rah­men für Bilder erstellen.

Snaps bemalen

Auf jedem Snap lässt es sich malen. Sobald ein Snap erstellt ist, erscheint im oberen recht­en Eck ein Stift-Sym­bol. Gedrückt erscheint die Farb­palette, mith­il­fe der­er die Farbe aus­gewählt wird. Wem das nicht reicht, tippt mit seinem Fin­ger auf die Palette, hält ihn gedrückt und wis­cht jet­zt über den Bild­schirm (Fin­ger auf Dis­play lassen!).  Mit dem Wis­chen über den Bild­schirm ändert sich die aus­gewählte Farbe. Dieselbe wird im Bunts­tift stets angezeigt. So lässt sich auch Schwarz oder Weiß als Zeichen­farbe auswählen und eine kleine Menge an Pastelltö­nen.

Snapsave: Wie speichere ich Snaps?

Wer die eige­nen Fotos und Videos spe­ich­ern möchte, kann das tun. Manch­mal sind die Videos ein­fach zu gut um sie gle­ich wieder zu löschen. Sobald ein Foto oder Video erstellt ist, bietet die App die Option, das Mate­r­i­al auf dem eige­nen Gerät abzus­pe­ich­ern. Wer das möchte, muss das erledi­gen bevor er die Dateien versendet oder in “Meine Sto­ry” hin­ter­legt. Son­st sind sie gelöscht bevor sie gespe­ichert sind. Zum Spe­ich­ern drückt man  im unteren Menü auf den Pfeil der neben der Uhr (Kreis mit ein­er Zahl) erscheint. Ein­mal gedrückt und das Bild oder Video ist gespe­ichert. Das Mate­r­i­al ist am sel­ben Ort hin­ter­legt, an das Smart­phone (oder Tablet) auch son­st Bilder und Videos spe­ichert. Von dort lassen sich die Snaps über alle anderen Kanäle ver­bre­it­en – Face­book, Insta­gram, What­sapp, Youtube etc. Nie­mand der nicht auf Snapchat ist, muss noch länger auf Ihre Meis­ter­w­erke verzicht­en.

Unternehmen auf Snapchat

Auf­grund der ras­ant steigen­den Userzahlen bei Snapchat hecheln Wer­be­treibende (und mith­il­fe der­sel­ben viele Unternehmen) ihren Ziel­grup­pen hin­ter­her. Auf Snapchat präsen­tieren sich Unternehmen jung und frisch – sie ver­suchen es. Nie­mand wird um die Kun­st der Glaub­würdigkeit herumkom­men.

Buz­zFeed, CNN, MTV, Mash­able, Cos­mopoli­tan, Vice oder der Nation­al Geo­graph­ic waren die frühen Vögel. In Deutsch­land geht das Vögeln etwas langsamer von­stat­ten. Vor­re­it­er sind wie vor­mals bei Insta­gram schon Vertreter der Fashion‑, Beau­ty- oder Enter­tain­ment-Branche: ProSieben, Neck­er­mann oder Bild.

Die Beau­ty- und Sport-Branche prof­i­tiert ver­mut­lich von ihrem Erfahrungsvor­sprung auf Insta­gram. Wer nicht stetig nur Mitläufer sein möchte, sollte rechtzeit­ig eigene Erfahrungswerte ein­sam­meln. Das zahlt zukün­ftig auf die Glaub­würdigkeit ein.

Im Hin­blick auf Snapchat sind die let­zten Plätze für Ear­ly Adopters noch nicht vergeben: Die Unternehmens­dichte ist hierzu­lande noch als harm­los einzustufen. Den­noch: Com­pa­nies investieren zunehmend Zeit in die Erstel­lung von Snapchat Sto­ries. In 2015 posteten grade 15,9% der amerikanis­chen Unternehmen täglich auf Snapchat. Im Ver­gle­ich dazu waren im sel­ben Zeitraum 74,6% täglich auf Twit­ter aktiv. Allerd­ings, diejeni­gen Com­pa­nies die Snapchat für ihre Ziel­grup­penansprache nutzen, sind hier aktiv­er als auf jed­er anderen sozialen Plat­tform – durch­schnit­tlich neun Beiträge täglich.

Grund­sät­zlich ist in den sozialen Medi­en der­jenige beziehungsweise das Unternehmen erfol­gre­ich, das auch in anderen Net­zw­erken rel­e­vante The­men pub­liziert und dadurch über eine treue Fol­low­er­schaft ver­fügt. Wer auf Insta­gram oder Face­book keine Fol­low­er an sich binden kann, wird es bei Snapchat nicht leichter haben. Hinzu kommt, dass Kon­sumenten bin ich der plat­ten Pro­duk­tin­sze­nierun­gen und der unglaub­würdi­gen Attitü­den müde gewor­den sind – gäh­nend lang­weilige Wer­bung oder sel­ten däm­liche Image-Kam­pag­nen wis­cht man heute wie Staubflusen vom Bild­schirm.

Ist die Kam­er­ae­in­stel­lung geöffnet, reicht ein Wisch nach links um span­nende Com­pa­nies unter “Dis­cov­er” zu ent­deck­en. Einen zweit­en Wisch nach links und es gibt noch mehr Auswahl. Wer Unternehmen nach Namen suchen und adden bzw. ihnen fol­gen möchte, kann das auch tun: Zurück zur Kam­era, das Gespenst im oberen Menü drück­en oder alter­na­tiv nach unten wis­chen. Dann die Option “Fre­unde adden” auswählen und entsprechende Namen in die Suche eingeben.

Snapchat für iOS und Android

Ide­al­er­weise ist die Voraus­set­zung ein nicht zu altes Smart­phone mit den Betrieb­ssys­te­men Android oder iOS (keine Sorge: man hat entwed­er das eine oder das andere). Die App lädt man sich im App­store oder an entsprechen­der Stelle für Android-User herunter.

Marc Alexan­der Holtz ist unter dem User­na­men mar­calexan­der­ho auf Snapchat zu find­en.

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Marc Alexan­der Holtz ist Spar­ringspart­ner für Star­tUps und KMUs in den Bere­iche Busi­ness Devel­op­ment, Ver­trieb, strate­gis­che Kom­mu­nika­tion und Con­tent Mar­ket­ing. Er doziert, gibt Work­shops und Inhouse-Schu­lun­gen für Grün­derteams, Co-Work­ing-Spaces und KMUs. Bei der dpa-Tochter news aktuell machte er Ver­trieb, entwick­elt im Dig­i­tal­bere­ich Geschäfts­felder und arbeit­et derzeit im Pro­duk­t­man­age­ment.

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