Deutscher Apfel

Wir haben uns ein Spazier­gang an frisch­er Luft gegön­nt — wegen Vit­a­m­in­bil­dung, Sonne und weil blauer Him­mel doch oft mehr wirkt als Zim­merdecke. Dieses Mal sind wir in den Schre­ber­garten am Wasser­turm in Stellin­gen. Von der Woh­nung aus der näch­ste Stop für paradiesis­che Ruhe.

Und was macht man im Paradies? Man fotografiert es, weil man Erleb­nis ungeteilt kaum aushält.

Was für eine Welt die Schre­bergärten sind! Man traut sich kaum über eine Hecke zu greifen und eine Pflaume zu pflück­en, weil sich das inko­r­rekt anfühlt und die deutsche Kor­rek­theit hier in die Luft gemeißelt ste­ht oder per Deutsch­land­flagge in das Vere­in­sheim gehangen scheint.

Hier wächst nichts wie es will. Hier ist die Regel die Natur. Hier sind die Pächter Göt­ter und jed­er Gärt­ner Ord­nung­shüter über Unbekan­nte.

Auch wenn ich selb­st gern ein solch­es Stück Ruhe zum Bücher­lesen unter freiem Him­mel hätte! Den Wartelis­ten für Bewer­ber nach zu urteilen, habe ich bis dahin meine Drit­ten sich­er.

Mein Garten bestünde aus Unkraut, Obst­bäu­men und ein­er Armee Wild­blu­men — in der ich nackt als Vorzeigeschre­ber im Schat­ten der Mirabellen säße. Und einen Kühlschrank mit Weinen und wech­sel­nden Käs­esorten hätte. Mit Hand­schuhen und Schal in den Win­tern tagträu­mend Tee trinken — mit und ohne Fre­un­den.

Die kon­stru­ierten Wirk­lichkeit­en in Heck­en­form, die Gradlin­igkeit zugeschnit­ten­er Natür­lichkeit ste­ht einem Muse­ums­be­such in nichts nach — ein völ­lig verkan­ntes Weltkul­turerbe, wenn man mich fragt. Ein Auswuchs natür­lich­er Wohnz­im­mer, von Kleingeis­tern und Garten-Genies gestal­tet, alles in der Aus­lage. Ein Fest für unsere iPhone-Kam­eras. Man bekommt gute Laune bei so viel Kün­stlichkeit in freier Natur.

Das größte Fest für die Sinne waren let­ztlich aber die Äpfel der freis­te­hen­den Obst­bäume! Lange nicht mehr so leck­er umson­st gegessen. Und wie befriedi­gend ist bitte Obstpflück­en!