Snapchat-Tutorial für Einsteiger und Angeber

Snapchat-Tutorial für Einsteiger und Angeber

Was ist Snapchat? Das Gegen­teil von Inter­net – das Inter­net weiß alles, Snapchat ver­gisst alles. Texte, Fotos oder Videos, ein­mal versendet, löschen sich auf Empfänger­seite nach dem Öff­nen inner­halb von Sekun­den von selbst. Was bleibt ist die Erin­nerung. Was wie Alzheimer klingt, nennt sich Snapchat und lässt die alt ausse­hen, die erst hinzukom­men wenn alle schon da sind. In den USA ist die App bere­its erfol­gre­icher als Face­book.

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Snapchat – Siegeszug ohne Hemmschwellen

 

Der Mark­twert liegt derzeit bei 20 Mil­liar­den. Man kann sich vorstellen, wie nervös Wer­be­treibende nach Ideen suchen, sich im (noch) Teenager-Netzwerk einzuhacken.

Das Snapchat nur für Jugendliche sei, ist eine Behaup­tung von zu Lebzeiten bere­its Ver­stor­bener. Wir haben es oft genug beobachtet: Junge Men­schen adap­tieren Inno­va­tio­nen früher als Erwach­sene. So war es bei Face­book, bei What­sApp oder bei Insta­gram, so wird es bei live.ly sein – Snapchat kommt erst Dank Teenagern erst bei denen an, die Ihre Jugend bere­its hin­ter sich haben.

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Schände dein Image, sofern eines vorhanden ist!

 

Der ver­stor­bene Mod­er­a­tor Roger Wil­lensen soll ein­mal gesagt haben: Wenn man schon ein Image hat, dann muss man es schän­den.

Die Bere­itschaft ein Image zu wahren, zu gestal­ten oder zu riskieren, lässt sich bei Snap­pern in drei Grup­pen unterteilen:

1. Kon­sumenten die nur emp­fan­gen und beobachten (= kein Imagerisiko oder Wahrung des beste­hen­den Images).

2. Kom­men­ta­toren die auf Snaps nur reagieren (= geringes Imagerisiko oder Bestä­ti­gung des vorhan­de­nen Images)

3. Die Pro­duzen­ten (= kein Image, unberechen­bares Image, facetten­re­iches, kreatives oder idi­o­tis­ches Image)

Wer nur guckt aber nichts Eigenes auf den Weg bringt, ist hier schnell iden­ti­fiziert.

 

Snapchat – … babyleicht sagen die Anderen

 


Snapchat ist eine App für Ent­decker und das Ent­decken belohnt mit guten Über­raschun­gen: Vier Menü-Optionen lassen sich mit einem Wisch nach oben, unten, links oder rechts finden.

 

Snapchat – Chats, Fotos und Videos

 


Fan­gen wir an: Snapchat ist kosten­los und für alle neuen Smart­phones und Tablets ver­füg­bar. Ältere Geräte sind über­fordert. Schon das iPhone 5 kann einem den Spaß verder­ben.

Snapchat bietet Chat-, Foto- und Vide­o­funk­tio­nen. Mit Snapchat lassen sich (Video-) Anrufe täti­gen, Sprach­nachrichten versenden, Sticker und Fotos ebenso. Anders ist hier, dass Snaps sich nach Ansicht durch Empfänger automa­tisch löschen.

Der Chat ist pri­vat und nicht von anderen ein­se­hbar. Der Absender bes­timmt, wie viele Sekun­den sein Foto dem Empfänger zu Ver­fü­gung steht, bevor es wieder gelöscht wird. Min­i­mal eine, max­i­mal zehn Sekun­den. Die Ein­stel­lung findet sich nach dem Fotografieren links unten im Dis­play. Ein­mal drücken, Sekun­den­zahl auswählen, absenden. Empfänger sehen die Zeituhr nach Öff­nen der Nachricht im Bild­schirm: 3, 2, 1 … gelöscht.

Es lassen sich – für Fotos wie für Videos – mehrere Empfänger gle­ichzeitig adressieren. Das gibt sogle­ich Punkte auf den eige­nen Snap­score (später mehr dazu) – er gibt Auskunft über den Aktiv­itäts­grad eines Users. Empfänger kön­nen eine Nachricht nach Ansicht ein­ma­lig neu laden und ein zweites Mal anschauen. Geschieht das, bekommt man als Absender eine Nachricht. Es sei denn … Flug­modus.

Das auf einen Screen­shot ein Hin­weis an den Absender geht, dient der Abschreck­ung – hält im Zweifels­fall aber nie­man­den davon ab.

 

Snapchat – Eine Frage der Einstellung

 

Bevor man beginnt, ist der Blick in die Pro­file­in­stel­lun­gen die beste Ver­sicherung gegen zukün­ftige Schreck­mo­mente. App starten, das Gespenst am oberen Rand drücken oder herun­ter­wis­chen, danach oben rechts Stellschraube für Ein­stel­lun­gen auswählen. Hier wird aus­gewählt, wer einen kon­tak­tieren (Jeder, meine Fre­unde) und wer später meine Story anse­hen darf (Jeder, meine Fre­unde, benutzerdefiniert). Der Rest der Ein­stel­lun­gen ist nicht der Rede wert.

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Snapscore – Wer ist wie aktiv auf Snapchat?

 

Wer zunächst wis­sen will, wie aktiv einzelne Snap-Freunde sind, wirft einen Blick auf den Punk­te­s­tand eines Users, den Snap­score. Der Snap­score gibt Auskunft über den Aktiv­itäts­grad der jew­eili­gen Per­son. Wer sich noch im zweis­tel­li­gen Bere­ich befindet, dürfte den Anfänger­sta­tus nicht über­schrit­ten haben. Um den Snap­score aufzufinden, drückt man wieder das weiße Gespenst – nur im Kam­er­amodus auf dem Dis­play sicht­bar. Danach erscheint das gelbe Profil-Logo (Snap­code), Snap­name und der Snap­score. Die Punk­tzahl setzt sich aus ver­schick­ten und erhal­te­nen Snaps zusam­men und soll Auskunft über den Aktiv­itäts­grad des Snap­pers geben.

 

Snapchat – Discover, Live, neueste Updates, Storys

 

Sämtliche Snaps aller Fre­unde, ihre Sto­rys und weit mehr lassen sich im Kam­er­amodus (dem Haupt­menü) mit einem Wisch nach links öff­nen.

Unter Dis­cov­ery  finden wir die Chan­nel von Unternehmen wie Buz­zfeed, Vice und Co. Ein­fach Logo antip­pen und die Snaps begin­nen. Kann ganz lustig sein – frus­tri­erend ist nur, dass Unternehmen andere Möglichkeiten erhal­ten als wir selbst und die Snaps darum hoch­poliert daherkom­men. Dafür zahlen Sie allerd­ings.

Direkt darunter neueste Updates unserer Snapchat-Freunde und eine Etage darunter wiederum alle Sto­rys der­sel­ben, sprich ihre aneinan­derg­erei­hten gesam­melten Snaps. Zumin­d­est all jene, die nicht älter als 24 Stun­den sind. Uraufgetippt geht es los. Was einen lang­weilt kann man vor­spulen, in dem man ein­mal auf das laufende Bild oder Video tippt, springt man einen Snape weiter. Oben im Bild­schirm erscheint der jew­eils Name des Users, dessen Snaps oder Story man grade betra­chtet. Will man die laufenden Sto­rys in Gänze abbrechen, weil zu lang­weilig oder warum auch immer, ein­fach nach unten wis­chen und man kommt zurück in das zuletzt gewählte Menü.

 

Snapchat – “Meine Story”

 


Wer möchte, kann seine Foto- oder Videoschnipsel (Snaps) in die so genan­nte “Meine Story” ein­fü­gen. Alle Inhalte, die über den Tag verteilt in der Story veröffentlicht wer­den, rei­hen sich zu einem lan­gen Film­streifen aneinan­der. Nach jedem erstell­ten Foto oder Snapvideo fragt Snapchat, an wenn das Mate­r­ial gesendet wer­den oder ob es gle­ichzeitig auch für 24 Stun­den in die Story einge­fügt wer­den soll. Man kann alles Eigene auch spe­ich­ern aber dazu später mehr.

Meine Story” ist für alle oder, wenn so eingestellt, nur für Fre­unde sicht­bar. “Meine Story” ist im Gegen­satz zu pri­vaten Kon­ver­sa­tion die öffentlich ein­se­hbare. Im Gegen­satz zu einem an aus­gewählte “Fre­unde” versende­ten Beitrag kann “Meine Story” einen Tag lang ange­se­hen wer­den, so oft jemand möchte. Man kann unbe­grenzt viele Snaps aneinan­der­rei­hen und so die Geschichte erzählen. Ein Snap, ein­mal in der Story veröf­fentlicht, löscht sich nach exakt 24 Stun­den automa­tisch.

Wer seine Story oder die einzel­nen darin befind­lichen Snaps vorher löschen möchte, kann das manuell tun. Die Lösch­funk­tion ist für Anfänger kaum auffind­bar. Dabei ist der Weg kurz: App öff­nen, ein­mal nach links gewis­cht, sofern dann eine Story bere­its vorhan­den ist, tippt man rechts auf das Menü, Snap auswählen, ein Wisch nach oben und der Mülleimer erscheint als Option oben rechts. Gele­sen klingt das sper­rig, mit der App vor Augen ist das schnell gel­ernt.

 

Was versendet man auf Snapchat?

 

Was richtig oder falsch ist, hängt beim Kom­mu­nizieren auch hier vom Empfänger ab: Ich snappe mit der Fam­i­lie anders als mit Arbeit­skol­le­gen, mit Fre­un­den anders als mit Bekan­nten. Kurz: Man ist was man sendet oder was man sein will.

 

Wie finde ich heraus wer bei Snapchat ist?

 

Es ist leicht her­auszufinden wer von den eige­nen Fre­un­den oder Bekan­nten schon bei Snapchat istNach dem Öff­nen der App auf das Snapchat-Icon – ein weißes Gespenst –  am oberen Bil­drand klicken oder alter­na­tiv ein­fach das Gespenst mit dem Fin­ger nach unten ziehen.


Das erscheinende Menü ist selb­stre­dend. Wer Snapchat an dieser Stelle den Zugriff auf die per­sön­lichen Kon­takte im Tele­fon gewährt, findet prob­lem­los alle Snap­per aus dem eige­nen Tele­fon­buch. Zusät­zlich kann man nach User­na­men suchen oder Per­so­nen aus dem Tele­fon­reg­is­ter per SMS zu Snapchat ein­laden. Mich findet man hier.

 

Wo finde ich Snapchat­fil­ter und –masken?


Es gibt täglich neue Sets an Gesichts­fil­tern oder leichter voll­stell­bar: Masken. Egal ob für Fotografien oder Videoauf­nah­men. Und wer möchte kann sogar jedes iden­ti­fizier­bare Gesicht aus seiner eige­nen Foto­me­diathek auf­set­zen. Wem die Gesichter seiner Fre­unde und Bekan­nten nicht aus­re­ichen, macht Screen­shots seiner Lieblings-Celebrities. Dank Snapchat kann jeder sich mit dem Gesicht von Katy Perry ablichten oder im Video als Justin Bieber erscheinen. Wem das zu gruselig ist, beschränkt sich auf die von Snapchat vorgegebe­nen Masken.

Wer es mit Self­ies nicht so hatte, wird jetzt infiziert: Kam­era auf Selfie-Modus stellen und mit dem Fin­ger das Gesicht berühren. Jetzt erscheinen am unteren Bil­drand ein Dutzend Masken (Snapchat­fil­ter). Am besten pro­biert man alle mal aus. Schweine­nase, Hund­fresse, Trans­vestit oder Eierkopf. Täglich tauscht Snapchat die Masken aus – einige ver­schwinden, andere erscheinen neu.

 

Snapchat face swap feature

 

Face Swap (Gesicht­stausch) war nicht das erste Fea­ture auf Snapchat aber es hat zur Ver­bre­itung der Messaging-App sicher beige­tra­gen. Gesichter­tausch – geht per Foto und Video. Dafür sind die Gesichter zweier Per­so­nen oder, wenn ein zweites Gesicht nicht in Reich­weite ist, reicht sogar ein Stofftier, Por­trait­foto und selbst eine Malerei funk­tion­iert. Gesichter müssen für Snapchat lediglich als Gesicht iden­ti­fizier­bar sein – zwei Augen, eine Nase, ein Mund. Dann die Kam­era auf zwei Gesichter hal­ten, ein Gesicht mit dem Fin­ger andrücken, den Face Swap-Filter (gelb mit zwei Smi­lies) aus dem Optionen-Menü auswählen und der Gesicht­stausch startet. Such fun!

 

Eigene Bilder mit face swap nutzen

 



Die face swap-Funktion mit Bildern des eige­nen Fotoal­bums, ist eine spätere Ergänzung des oben genan­nten Fea­tures. Es ist meines Eracht­ens das beste Fea­ture über­haupt. Snapchat ermöglicht damit Zugriff auf alle Bilder der eige­nen Foto­me­diathek. Zumin­d­est alle auf denen die App Gesichter iden­ti­fiziert. Das bedeutet, dieses Fea­ture schenkt mir die Möglichkeit, mein Gesicht gegen die Gesichter meiner Fre­unde oder Bekan­nten zu tauschen. Ich kann, mit wessen Gesicht auch immer, Bilder oder Videos pro­duzieren.

Tipp: Wem die bish­eri­gen Gesichter in der eige­nen Mediathek nicht aus­re­ichen oder zu lang­weilig erscheinen, sucht sich weit­ere Gesichter aus dem Inter­net. Vielle­icht woll­ten Sie ohne­hin grade her­aus­finden, wie Sie als blutver­schmierter Jesus ausse­hen oder Hel­mut Kohl mit der Musik von Luciano Pavarotti pro­bieren. Grade kein Helmut-Portraits zur Hand? Eine her­aus­ra­gende Recherchen­quelle für Por­traits ist Pin­ter­est. Ein­fach die Web­site oder, sofern auf dem eige­nen Smart­phone schon vorhan­den, die App aufrufen und nach “Porträt suchen. Die Recherche lässt sich end­los ver­fein­ern. Beispiel­sweise mit einem zweiten Stich­wort wie “Comic“oder etwas Banalem wie“funny”. Es erwarten einen ungeah­nte Bildquellen. Ist erst etwas Hüb­sches gefun­den, macht man davon einen Screen­shot. Dadurch wan­dert das Bild in die eigene Foto-Mediathek. Erkennt Snapchat den Screen­shot als Gesicht an, erscheint es beim Öff­nen der App in der Auswahl aller Gesichter im face swap-Feature. Mit jedem von der App erkan­ntem Gesicht lassen sich auch Videos drehen. Die Freak­show ist eröffnet – such fun!

 

Emojis – mobile Smilies und Farbfilter

 

Smi­lies nennt man im Fach­jar­gon unter Jugendlichen Emo­jis. Auf Snapchat im Kam­er­amodus im oberen Bil­drand unter dem Icon auffind­bar, dass aussieht wie ein Abziehbild. Ein Füll­horn an Emo­jis erscheint. Auswählbar durch Tip­pen. Zwei Dinge die man als Anfänger nicht auf dem Radar hat:

Emo­jis lassen sich in einem Video unter­brin­gen und selbst an sich bewe­gen­den Objek­ten fix­ieren. Angenom­men man möchte einem Gesicht einen Emoji aufk­leben – bestünde die Schwierigkeit, dass Gesichter sich in Videos bewe­gen. Der Emoji kann tat­säch­lich auf dem sich hin- oder her­be­we­gen­den Gesicht fix­iert wer­den, so dass er sich mit­be­wegt. Wie? Man erstellt ein Video, dann sucht man das Emoji aus, platziert es am gewün­schten Objekt im Video und hält es einen Moment gedrückt. Das Emoji fix­iert sich an seinem Objekt, loslassen und fer­tig. Mit diesem Fea­ture kann man seinen Fre­un­den leicht sig­nal­isieren, den Anfänger­sta­tus über­wun­den zu haben.

 

Farbfilter für Snaps

 


Wer mehr Farbe in seine Fotos oder Videos brin­gen möchte, kann das ein­fach mit Emo­jis erledi­gen: Foto oder Video erstellen, wieder Emoji auswählen, dabei auf die gewün­schte Farbe achten. Wer einen roten Farb­fil­ter für sein Schwar­weiß­bild oder –video wün­scht, wählt irgen­deinen roten Emoji aus.  Dann den Emoji mit zwei Fin­gern immer weiter aufziehen, sprich ver­größern und dabei den Rand im Auge behal­ten. Desto größer man das Emoji zieht, umso pix­eliger wird es, heißt man sieht seine einzel­nen Bild­punkte aus denen es sich zusam­mensetzt. Diese Teile nennt man Pixel (der kle­in­ste einzelne Bestandteil eines Emo­jis sozusagen). Ein­mal richtig groß gezo­gen, kön­nen sie als her­vor­ra­gende Farb­fil­ter einge­setzt wer­den. So lassen sich Farb­fil­ter oder –rah­men für Bilder erstellen.

 

Snaps bemalen

 

Auf jedem Snap lässt es sich malen. Sobald ein Snap erstellt ist, erscheint im oberen rechten Eck ein Stift-Symbol. Gedrückt erscheint die Farb­palette, mith­ilfe derer die Farbe aus­gewählt wird. Wem das nicht reicht, tippt mit seinem Fin­ger auf die Palette, hält ihn gedrückt und wis­cht jetzt über den Bild­schirm (Fin­ger auf Dis­play lassen!).  Mit dem Wis­chen über den Bild­schirm ändert sich die aus­gewählte Farbe. Dieselbe wird im Bunts­tift stets angezeigt. So lässt sich auch Schwarz oder Weiß als Zeichen­farbe auswählen und eine kleine Menge an Pastelltö­nen.

 

Snapsave: Wie speichere ich Snaps?

 

Wer die eige­nen Fotos und Videos spe­ich­ern möchte, kann das tun. Manch­mal sind die Videos ein­fach zu gut um sie gle­ich wieder zu löschen. Sobald ein Foto oder Video erstellt ist, bietet die App die Option, das Mate­r­ial auf dem eige­nen Gerät abzus­pe­ich­ern. Wer das möchte, muss das erledi­gen bevor er die Dateien versendet oder in “Meine Story” hin­ter­legt. Sonst sind sie gelöscht bevor sie gespe­ichert sind. Zum Spe­ich­ern drückt man  im unteren Menü auf den Pfeil der neben der Uhr (Kreis mit einer Zahl) erscheint. Ein­mal gedrückt und das Bild oder Video ist gespe­ichert. Das Mate­r­ial ist am sel­ben Ort hin­ter­legt, an das Smart­phone (oder Tablet) auch sonst Bilder und Videos spe­ichert. Von dort lassen sich die Snaps über alle anderen Kanäle ver­bre­iten – Face­book, Insta­gram, What­sapp, Youtube etc. Nie­mand der nicht auf Snapchat ist, muss noch länger auf Ihre Meis­ter­w­erke verzichten.

 

Unternehmen auf Snapchat

 

Auf­grund der ras­ant steigen­den Userzahlen bei Snapchat hecheln Wer­be­treibende (und mith­ilfe der­sel­ben viele Unternehmen) ihren Ziel­grup­pen hin­ter­her. Auf Snapchat präsen­tieren sich Unternehmen jung und frisch – sie ver­suchen es. Nie­mand wird um die Kunst der Glaub­würdigkeit herumkom­men.

Buz­zFeed, CNN, MTV, Mash­able, Cos­mopoli­tan, Vice oder der National Geo­graphic waren die frühen Vögel. In Deutsch­land geht das Vögeln etwas langsamer von­stat­ten. Vor­re­iter sind wie vor­mals bei Insta­gram schon Vertreter der Fashion-, Beauty- oder Entertainment-Branche: ProSieben, Neck­er­mann oder Bild.

Die Beauty- und Sport–Branche prof­i­tiert ver­mut­lich von ihrem Erfahrungsvor­sprung auf Insta­gram. Wer nicht stetig nur Mitläufer sein möchte, sollte rechtzeitig eigene Erfahrungswerte ein­sam­meln. Das zahlt zukün­ftig auf die Glaub­würdigkeit ein.

Im Hin­blick auf Snapchat sind die let­zten Plätze für Early Adopters noch nicht vergeben: Die Unternehmens­dichte ist hierzu­lande noch als harm­los einzustufen. Den­noch: Com­pa­nies investieren zunehmend Zeit in die Erstel­lung von Snapchat Sto­ries. In 2015 posteten grade 15,9% der amerikanis­chen Unternehmen täglich auf Snapchat. Im Ver­gle­ich dazu waren im sel­ben Zeitraum 74,6% täglich auf Twit­ter aktiv. Allerd­ings, diejeni­gen Com­pa­nies die Snapchat für ihre Ziel­grup­penansprache nutzen, sind hier aktiver als auf jeder anderen sozialen Plat­tform – durch­schnit­tlich neun Beiträge täglich.

Grund­sät­zlich ist in den sozialen Medien der­jenige beziehungsweise das Unternehmen erfol­gre­ich, das auch in anderen Net­zw­erken rel­e­vante The­men pub­liziert und dadurch über eine treue Fol­low­er­schaft ver­fügt. Wer auf Insta­gram oder Face­book keine Fol­lower an sich binden kann, wird es bei Snapchat nicht leichter haben. Hinzu kommt, dass Kon­sumenten bin ich der plat­ten Pro­duk­tin­sze­nierun­gen und der unglaub­würdi­gen Attitü­den müde gewor­den sind – gäh­nend lang­weilige Wer­bung oder sel­ten däm­liche Image-Kampagnen wis­cht man heute wie Staubflusen vom Bild­schirm.

Ist die Kam­er­ae­in­stel­lung geöffnet, reicht ein Wisch nach links um span­nende Com­pa­nies unter “Dis­cover” zu ent­decken. Einen zweiten Wisch nach links und es gibt noch mehr Auswahl. Wer Unternehmen nach Namen suchen und adden bzw. ihnen fol­gen möchte, kann das auch tun: Zurück zur Kam­era, das Gespenst im oberen Menü drücken oder alter­na­tiv nach unten wis­chen. Dann die Option “Fre­unde adden” auswählen und entsprechende Namen in die Suche eingeben.

 

Snapchat für iOS und Android

 

Ide­al­er­weise ist die Voraus­set­zung ein nicht zu altes Smart­phone mit den Betrieb­ssys­te­men Android oder iOS (keine Sorge: man hat entweder das eine oder das andere). Die App lädt man sich im App­store oder an entsprechen­der Stelle für Android-User herunter.

Marc Alexan­der Holtz ist unter dem User­na­men mar­calexan­derho auf Snapchat zu finden.

Geheimtipps zu Snapchat

Alternative für Deutschland

Unter den Artikeln der Online-Medien zur Flüchtlingskrise finde ich Sehn­süchte – sie, die Sehn­süchte, treiben dort aufre­gende Stil­blüten. Sehn­sucht nach Ver­gan­gen­heit blüht jetzt vielerorts wie Unkraut. Doch findet man Ver­gan­gen­heit nicht in der Gegen­wart. Egal wie sehn­süchtig wir uns wün­schen das alles bleibt wie es ein­mal war. Daran wird man auch in Erfurt und Dres­den nichts ändern kön­nen. Die Verän­derung kommt bekan­ntlich immer und ist beständig. Und da wird es aktuell vie­len zu bunt. Wie schön wäre jetzt eine Zukunft nur für uns allein, die man nicht teilen müsste mit denen aus der Fremde, die grade nach Zukunft suchen und sie in Deutsch­land zu finden hof­fen? Ist es das, was manche denken?

Gebt mir Zukunft. Mir, nicht denen die aktiv danach suchen, lese ich in den Kom­mentaren. Ich sage das so. Um Ver­ständ­nis zu sig­nal­isieren – für die Suche nach Zukunft. Nicht für ihre Worte! Die sind … alarmierend. Per­spek­tivlosigkeit muss einem den Atem rauben, das Lebens­glück oder ver­mut­lich sogar Hoff­nung. Und die einzi­gen mit denen man diesen Zus­tand teilen kön­nte, sind die Frem­den die durch die Grenz­zäune sick­ern und das­selbe suchen: Zukunft oder Lebens­glück. Und man ahnt – so weit wie die schon gelaufen sind, haben die das Zeug hier eine Zukunft zu finden. Aber man selbst? Vielle­icht gesellt man sich da lieber zu den Pegida- und AfD-Menschen. Die sprechen zumin­d­est die eigene Sprache. Denen scheinen die meis­ten Wege auch zu weit. Denen fehlt auch das Zeug zur Zukunft. Die lieben sogar Ver­gan­gen­heit: Statt einem gren­zen­losen Europa, wün­schen die Län­der­gren­zen und die auch noch möglichst geschlossen. Weit­sicht ade. Prob­lem ungelöst. Aber aus Angst und Lösungsinkom­pe­tenz rennt man ihnen wohl mit kalten Füßen und Kerzen in den Hän­den sehr gerne hin­ter­her.

Welch blühende Ironie, Sarkas­mus, Zynis­mus machen sich in den Kom­men­tarspal­ten unter den Artikeln zur Flüchtlingskrise breit und geben uns als Gesellschaft das Zeug­nis aus­geze­ich­neter Wohl­stand­shüter? Besitzen, vertei­di­gen und wenig bis gar nichts abgeben. Von unseren Spielplätzen im Frieden, von unserer ärztlichen Ver­sorgung für jeden, von unserer Her­zlichkeit. Keinen Gedanken sich der Sit­u­a­tion zu stellen, das Beste her­auszu­holen, sich zu engagieren, andere zu unter­stützen die wis­sen wie man Per­spek­tiven findet und Prob­leme löst. Erfahrun­gen statt Urteile sam­meln für etwas das man nicht lösen will. Statt Gal­gen­hu­mor und Mordgelüsten. Was für schreck­liche Worte die Angst pro­duziert. Zudem Defarmierung von Poli­tik­ern, Flüchtlin­gen, Medien – der Gesellschaft und somit auch derer die helfen die Not im Inn- und Aus­land zu lin­dern. Natür­lich, die Bun­desregierung kön­nte mehr Aufk­lärungsar­beit leis­ten, mehr Trans­parenz schaf­fen, den Äng­sten begeg­nen. Wir alle kön­nten mehr.

Was mehr sind wir, als die Hüter des Reich­tums, als selb­st­ge­fäl­lige Fratzen die als kleine Phrasendrescher unter die Kommentar-Publizisten gegan­gen sind? Mil­liar­den für die Finanzkrise waren wir bereit zu investieren, wen­ngle­ich gefühlt auch nur als Opfer. Ich habe die Finanzkrise schw­er­lich ver­standen. Ein paar Mil­lio­nen für Men­schen­leben hinge­gen lassen uns aber die Ner­ven ver­lieren. Obgle­ich diese Krise umso vieles leichter ver­ständlich scheint und so viel schw­er­wiegen­der ist. Wer will behaupten er sei noch Men­sch, der so gegen Men­schen ist, gegen das Teilen, Helfen, Ver­ste­hen und Sor­gen? Der Gren­zen zieht, doch sich sel­ten fragt was er oder sie getan hat, für das, worin er oder sie lebt, außer es zu genießen: Sicher­heit, Warmwasser, ein paar Schuhe, Fam­i­lie, James Bond und Zucker im Tee.

Wir sind Gesellschaft, sind das Sys­tem, wir sind die Medien, sind Mutti, sind alle etwas Merkel oder Maas, Europa oder Expor­teure mil­itärischen Geräts. Und wir alle sind Pegida, wenn wir sie aus­gren­zen, abstoßend finden und verurteilen ohne den Kon­sens zu suchen. Wo sind wir besser? So leicht kom­men wir da nicht raus. Wir sitzen gemein­sam in der Kom­fort­zone.

Wir haben Werte. Dafür gibt es Gründe und viele blutige Geschichten. Dafür gibt es lei­der keine Fes­tung und keine Grenze. Diese Werte sind schut­z­los, immer dann, wenn wir sie nicht vertei­di­gen. Es ist leicht zu sagen, man könne nichts tun. Doch es befreit nicht und es stimmt nicht. Wir alle sind Angsthasen oder Faulpelze, so lange wir keinen Teil zur Lösung beitra­gen.

Marc Alexan­der Holtz

An die Angsthasen

An die Angsthasen

Unter den Artikeln der Online-Medien zur Flüchtlingskrise finde ich Sehn­süchte – sie, die Sehn­süchte, treiben dort aufre­gende Stil­blüten. Sehn­sucht nach Ver­gan­gen­heit blüht jetzt vielerorts wie Unkraut. Doch findet man Ver­gan­gen­heit nicht in der Gegen­wart. Egal wie sehn­süchtig wir uns wün­schen das alles bleibt wie es ein­mal war. Daran wird man auch in Erfurt und Dres­den nichts ändern kön­nen. Die Verän­derung kommt bekan­ntlich immer und ist beständig. Und da wird es aktuell vie­len zu bunt. Wie schön wäre jetzt eine Zukunft nur für uns allein, die man nicht teilen müsste mit denen aus der Fremde, die grade nach Zukunft suchen und sie in Deutsch­land zu finden hof­fen? Ist es das, was manche denken?

Gebt mir Zukunft. Mir, nicht denen die aktiv danach suchen, lese ich in den Kom­mentaren. Ich sage das so. Um Ver­ständ­nis zu sig­nal­isieren – für die Suche nach Zukunft. Nicht für ihre Worte! Die sind … alarmierend. Per­spek­tivlosigkeit muss einem den Atem rauben, das Lebens­glück oder ver­mut­lich sogar Hoff­nung. Und die einzi­gen mit denen man diesen Zus­tand teilen kön­nte, sind die Frem­den die durch die Grenz­zäune sick­ern und das­selbe suchen: Zukunft oder Lebens­glück. Und man ahnt – so weit wie die schon gelaufen sind, haben die das Zeug hier eine Zukunft zu finden. Aber man selbst? Vielle­icht gesellt man sich da lieber zu den Pegida- und AfD-Menschen. Die sprechen zumin­d­est die eigene Sprache. Denen scheinen die meis­ten Wege auch zu weit. Denen fehlt auch das Zeug zur Zukunft. Die lieben sogar Ver­gan­gen­heit: Statt einem gren­zen­losen Europa, wün­schen die Län­der­gren­zen und die auch noch möglichst geschlossen. Weit­sicht ade. Prob­lem ungelöst. Aber aus Angst und Lösungsinkom­pe­tenz rennt man ihnen wohl mit kalten Füßen und Kerzen in den Hän­den sehr gerne hin­ter­her.


Welch blühende Ironie, Sarkas­mus, Zynis­mus machen sich in den Kom­men­tarspal­ten unter den Artikeln zur Flüchtlingskrise breit und geben uns als Gesellschaft das Zeug­nis aus­geze­ich­neter Wohl­stand­shüter? Besitzen, vertei­di­gen und wenig bis gar nichts abgeben. Von unseren Spielplätzen im Frieden, von unserer ärztlichen Ver­sorgung für jeden, von unserer Her­zlichkeit. Keinen Gedanken sich der Sit­u­a­tion zu stellen, das Beste her­auszu­holen, sich zu engagieren, andere zu unter­stützen die wis­sen wie man Per­spek­tiven findet und Prob­leme löst. Erfahrun­gen statt Urteile sam­meln für etwas das man nicht lösen will. Statt Gal­gen­hu­mor und Mordgelüsten. Was für schreck­liche Worte die Angst pro­duziert. Zudem Defarmierung von Poli­tik­ern, Flüchtlin­gen, Medien – der Gesellschaft und somit auch derer die helfen die Not im Inn- und Aus­land zu lin­dern. Natür­lich, die Bun­desregierung kön­nte mehr Aufk­lärungsar­beit leis­ten, mehr Trans­parenz schaf­fen, den Äng­sten begeg­nen. Wir alle kön­nten mehr.

Was mehr sind wir, als die Hüter des Reich­tums, als selb­st­ge­fäl­lige Fratzen die als kleine Phrasendrescher unter die Kommentar-Publizisten gegan­gen sind? Mil­liar­den für die Finanzkrise waren wir bereit zu investieren, wen­ngle­ich gefühlt auch nur als Opfer. Ich habe die Finanzkrise schw­er­lich ver­standen. Ein paar Mil­lio­nen für Men­schen­leben hinge­gen lassen uns aber die Ner­ven ver­lieren. Obgle­ich diese Krise umso vieles leichter ver­ständlich scheint und so viel schw­er­wiegen­der ist. Wer will behaupten er sei noch Men­sch, der so gegen Men­schen ist, gegen das Teilen, Helfen, Ver­ste­hen und Sor­gen? Der Gren­zen zieht, doch sich sel­ten fragt was er oder sie getan hat, für das, worin er oder sie lebt, außer es zu genießen: Sicher­heit, Warmwasser, ein paar Schuhe, Fam­i­lie, James Bond und Zucker im Tee.

Wir sind Gesellschaft, sind das Sys­tem, wir sind die Medien, sind Mutti, sind alle etwas Merkel oder Maas, Europa oder Expor­teure mil­itärischen Geräts. Und wir alle sind Pegida, wenn wir sie aus­gren­zen, abstoßend finden und verurteilen ohne den Kon­sens zu suchen. Wo sind wir besser? So leicht kom­men wir da nicht raus. Wir sitzen gemein­sam in der Kom­fort­zone.

Wir haben Werte. Dafür gibt es Gründe und viele blutige Geschichten. Dafür gibt es lei­der keine Fes­tung und keine Grenze. Diese Werte sind schut­z­los, immer dann, wenn wir sie nicht vertei­di­gen. Es ist leicht zu sagen, man könne nichts tun. Doch es befreit nicht und es stimmt nicht. Wir alle sind Angsthasen oder Faulpelze, so lange wir keinen Teil zur Lösung beitra­gen.

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Augsburg – for Leisure and Pleasure

Augsburg – for Leisure and Pleasure

(Augs­burg) Die Lechk­loake, wie Thomas Bern­hard sie nan­nte, ist meine Heimat. Mein erster Ein­druck: Kleingeistreg­uliert und kon­ser­v­a­tiv — die Stadt, die Men­schen und ihre Schwäbis­che Lan­deszeitungAugs­burg ist Renais­sance ohne Spätis zum Einkaufen nach Feier­abend. Eine CSU-regierte Kom­mune ohne U-Bahn. Baustellen nie ohne Archäolo­gen. 70 Chöre aber im Sta­dion nur Gesang zum Fußball. Osram, MAN, Rudolf Diesel kennt man und den Gold­e­nen Saal, der es in die Top-100-App der beliebtesten Reiseziele in Deutsch­land gebracht hat. 

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Die Fug­ger­stadt die gar nichts hat, dachte ich. Dabei gibt es sogar Piraten hier, – mit weniger unheim­lichen Wer­be­plakaten – in der Stadt an der Roman­tis­chen Straße. Die Lechk­loake, die Brecht-, Mozart-, Friedens-, Renaissance- und Freie Reichsstadt. Nebst Trier und Kempten älteste Stadt Deutsch­lands. Deutsch­landweit mit den meis­ten Feierta­gen dank Hohem Friedens­fest. Mit Gratis-WLAN in den Bussen. Nach München und Nürn­berg, drittgrößte Stadt Bay­erns. Mar­tin Luther, Wolf­gang Mozart und der Berthold haben hier gelebt. Mar­tin und Wolf­gang sind aus ver­schieden Grün­den geflüchtet. Ursprünglich römis­che Prov­inzhaupt­stadt – Augusta irgend­was. Gegrün­det 15 v. Chr. Um die 2.000 Jahre soll diese Sied­lung sein. Kein Wun­der das über­all Baustellen sind. Wird was auf- oder abgeris­sen, rücken die Archäolo­gen mit ihren weißen Zel­ten an. Erst danach die Bauar­beiter. Und jetzt komme ich aus Ham­burg und schreibe für die erste Augs­burger Blog­pa­rade. Weltkunst zum Null­tarif. Aber: Wehe denen, die nicht geforscht haben und doch reden. [B. Brecht]

Augs­burg liegt in Schwaben. Wo das ist, wis­sen in Ham­burg wenige. Das ist nicht Bay­ern, nicht Franken und auch nicht Cal­i­fornien. Das ist Pup­penkiste und FC Augs­burg. Ich kam wegen eines Jobs nach Bay­ern. Zunächst nach München. Dann aber der Liebe und der Münch­ener Miet­preise wegen nach Augs­burg. Angela Merkel kam wegen Kuka. Thi­mothy Don­ald Cook, bekan­nter als Apple-Konzern-Chef Tim Cook, kam, weil der Auf­trag zu den Fas­saden­scheiben für seine neue Fir­men­zen­trale in Cuper­tino Cal­i­fornien in Ger­sthofen Schwaben bei der Firma Seele lan­dete. Die Presse schrieb der Ein­fach­heit hal­ber “in Augs­burg”.

Mein Facebook-Account behauptet ich hätte 50 “Fre­unde” in Augs­burg. 50 Augs­burger mit denen ich ange­blich sym­pa­thisiere. Seit meinem Zuzug in die Fug­ger­stadt durfte ich unglaubliche Gast­fre­und­schaft an vie­len Esstis­chen genießen, keine Spur von Grantlern, den ange­blich bär­beißi­gen Pes­simis­ten oder Skep­tik­ern. Das müssen Grantler, Pes­simis­ten und Skep­tiker erfun­den haben. Die Augs­burger die ich kenne schmeißen beim Lachen ihren Kopf in den Nacken und klatschen dabei in die Hände. Ihr Humor ist viral. Ihre Offen­heit gegenüber Aus­län­dern wie mir und denen die stetig hinzukom­men ist erwäh­nenswert. Ich habe Yoga mit ihnen gemacht, Wein und Whisky mit ihnen getrunken, getanzt, gegrillt, gejoggt, über Heimat, CSU, Grüne, Braune oder Netflix-Serien gestrit­ten – Mei­n­un­gen, gab es, Posi­tio­nen aber Grantler?

Wenn man die Augen (und Ohren) öffnet, seine Kom­fort­zone ver­lässt, wird Augs­burg nicht größer aber schnell Rokoko, mon­u­men­tal, eine Ver­feinerung unseres höfis­chen, oft anspruchsvollen Lebens. Die Stadt kom­mu­niziert, zugegeben, oft wie ein Zweitausend­jähriger – kein gesteigertes Repräsen­ta­tions­bedürf­nis, hier bleibt für Zuge­zo­gene und Orts­fremde vieles auch auf den zweiten Blick ein Geheimtipp. Und wohl nicht nur für die. Die Stadt pulsiert, sie lebt und sie verän­dert sich. Man kann das wahrnehmen. Nicht nur an den Baustellen — ständig wird die Stadt kor­rigiert, um der Bürger Liebe nicht zu ver­lieren. Wenn auch nicht so schnell wie in Leipzig oder in München. Eher mit Bedacht und Vor­sicht, sich die alten Knochen nicht zu brechen, bewegt sich diese Stadt wie eine Sch­necke durch die Gegen­wart. Oder wie Hel­mut Schmidt Poli­tik machte: In kleinen Schrit­ten. Gar nicht so dumm. Sehr erfahren, die 2.000 Jahre alte Stadt. Macht einen wahnsin­nig manch­mal, wenn man sieht was los ist an Kreativ­ität die aus den Men­schen quillt, an Ideen für ein zukün­ftiges Augs­burg — hei­denei! Nur gibt es keinen Chief Lis­tener im Stad­trat. Brecht ist schon tot und eine organ­isierte Bürg­erini­tia­tive next Augs­burg existiert noch nicht. Und Ober­bürg­er­meis­ter Gribl man­gelt es an Mehrheiten um Schlagkraft zu entwick­eln. Aber dafür ist Augs­burg bekannt: Für seine Vielzahl an Min­der­heiten.

Kon­di­tor­eien sind los, in der Architek­tur ist was los, Graf­fiti ist wenig los (und wenn, dann vorab genehmigt), dafür lose homo­phobe Zeitungs­beila­gen, Kirchenchöre, bald ein Inno­va­tion­spark, eine paradiesis­che Gas­tronomie und auf­fäl­lig viel soziales Engage­ment ist los. Und kul­turell ist Augs­burg ein dickes Los: Film­tage, Musikpick­nick, Mozart­fest, Auto­matic Open, Brecht­fes­ti­val, Fes­ti­val der Straßenkunst, eines für impro­visierte Musik, für Schaus­piel, die Kultürtage, dem Medienkunst-Festival Lab30, Wohnz­im­merkonz­erte, der Inter­na­tionale Jaz­z­som­mer, Bal­lettgala, 17 Jahre Poetry Slam, Lit­er­atur­sa­lon, Pup­penkiste, Kabarett, Jaz­zclub, die Kun­st­nacht, das Friedens­fest, das STAC-Festival, der Tag des Denkmals … die andere Hälfte vergesse ich immer. Vielle­icht hat das Gründe. Vielle­icht geht die andere Hälfte für mich auch gar nicht. Wer Alphorn­grup­pen, Posaunenchöre oder Drehorgelorch­ester bevorzugt, dem empfehle ich min­destens den Christkindl­markt, dazu Rahm­flecken, Schupfnudeln und ein paar Schnäp­perken. 

Festival für Schauspiel in Augsburg

Das Stadt­mar­ket­ing fokussiert sich auf die üblichen Verdächti­gen: Wasser­spiele, Pracht­brun­nen, UNESCO-Welterbe, Renais­sances­tadt sowie Fug­ger und Welser. Hat immer funk­tion­iert. Und man fährt Kam­pag­nen mit Titeln wie Gassen­hauer: „Und jetzt kommst du“.  Eine Kam­pagne, mit der die Stadt mehr Besucher anlocken will. Es gäbe bere­its pos­i­tive Sig­nale für einen Erfolg. Weit­ere Kam­pag­nen: “Kauf vor Ort weil deine Stadt alles hat” oder “Lass den Klick in deiner Stadt”. Let­zteres heißt über­setzt: Kauft bei Bücher Pustet, nicht bei Ama­zon. Schuhe bei Beit­el­rock, nicht bei Zalando. Wenn ich mir jedoch die Web­seiten diverser Augs­burger Einzel­händler anschaue, kom­men mir Zweifel auf, ob man diesel­ben vor der Aktion beraten hat – wie man virtuell einen Klick erzielt, statt ihn zu ver­lieren. 

Geschmacklos.

Zudem redet man gebetsmüh­le­nar­tig vom Blick auf die Decke des Gold­e­nen Saales, dem Per­lach­turm, dem Rathaus, der soge­nan­nten Pracht­meile Max­i­m­il­ianstraße – auch Einkaufs­boule­vard. Man wirbt mit Christkindl­markt, Krypta von St. Afra und Ulrich, Fug­gerei, Plan­e­tar­ium, Zoo oder Plär­rer. Let­zteres für Men­schen, denen die Wiesn zu groß sind. Meine 50 Facebook-”Freunde” findet man an diesen Orten sel­ten. Das meiste davon habe ich mir angeschaut – ich kann meine “Fre­unde” ver­ste­hen. Neulich waren wir im Kun­st­mu­seum Wal­ter. Das Wort “lang­weilig” beschriebe nicht die Lei­den­schaft­slosigkeit mit der uns die Kunst präsen­tiert wurde. Rel­e­van­ter und vielle­icht sogar zugänglicher mögen hier die Ausstel­lungs­for­mate des tim — Staatliches Textil- und Indus­triemu­seum oder des Max­i­m­il­ian­mu­se­ums sein.

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Macht man die Augen auf, getrieben von ehrlicher Neugierde, kann man über schlecht präsen­tierte Kunst und oder Kul­tur kraftvoll hin­wegse­hen. Und wenn die Augen erst ein­mal offen sind, springt einem die Stadt mit ihrer Vielfalt in die sprich­wörtliche Fresse. Man muss nicht mit dem Gold­e­nen Saal begin­nen um die Stadt zu ent­decken. Die Golden Glim­mer Bar tut es auch. Da gibt es die vielle­icht besten Cock­tails der Stadt, eine Menge gebür­tige Augs­burger, Zugereiste und ihre Gäste. Und dort kann man besprechen ob die Max­i­m­il­ianstraße Pracht­boule­vard ist oder nur prächtig für die bis zu 600.000 Bienen auf dem Dach des Hotels Drei Mohren. Im Puris­ten gibt es auch beste Cock­tails aber auch Pracht­boule­vard.

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Um Augs­burg ken­nen und lieben zu ler­nen, würde ich ohne­hin immer via der Zimmer-Vermittlungs-Plattform airbnb absteigen, um eine der faszinieren­den Woh­nun­gen dieser Stadt vom Bett aus betra­chten zu kön­nen und mor­gens mit Augs­burg­ern zu früh­stücken. Es sei denn man hat Fre­unde. Fre­unde in Augs­burg. Und wenn es ein Hotel sein muss, dann eventuell mal das Grand­ho­tel Cos­mopo­lis? Da hat man Bier­garten, Kul­tur­ange­bot, engagierte und hil­fs­bere­ite Men­schen, den Aus­blick auf den Dom und Gau­men­freuden an einem Ort. Und für einen guten Kaf­fee oder ein haus­ge­back­enes Stück Kuchen zahlt man, was man zu zahlen bereit ist.

Grandhotel Cosmopolis

Grund­sät­zlich ist Augs­burg eine Ansied­lung vieler Gau­men­freuden – wer kein Sport treibt, möge eines Tages platzen: Früh­stück im Striese, im City Club, mit einem Auto vielle­icht sogar bei La Boulan­gerie. Danach einen köstlichen Blick auf das Schwaben-Center nebe­nan. Wer dann das drin­gende Bedürf­nis nach Natur ver­spürt, den ver­stehe ich. Lech, Lechauen, Mit­tel­bach, Sieben­tis­chwald, Wer­tach oder der Hof­garten nahe dem Stadtthe­ater geben dem Städter Seelen-Ruhe. Wer Ruhe bei Tieren findet, geht statt in den Zoo zur Abwech­slung in den Esel­gar­ten.

Hochablass

Bei frischer Luft denke ich wieder an Hunger. Auf die Hand, zumin­d­est in der Alt­stadt, Essen aus der Bosna Stube! Wenn am Moritz­platz, bei Razz-Fazz Fin­ger­food. Wenn am Kö, im Cigköftem. Vielle­icht ist einem auch nach Mit­tag in der The­aterkan­tine, Sushi im Kigiku oder noch besser: Falafel im Shu Shu. Schmeckt wie Berlin Kreuzberg. Weniger gut: Die Stadtkan­tine der Ämterzen­trale. Sie bietet jedoch den kosten­losen Aus­blick für den man im Per­lach­turm wiederum Ein­tritt zahlt. 

Blick vom Perlachturm

Nach dem Mit­tag ist mir nach Bewe­gung. Shop­pen ist ein guter Sport, wie ich finde. Für mich Pflicht: Buch­hand­lung Am Obst­markt – wenn man Bücher nach dem Äußeren beurteilt. Und dann nach dem Inneren. Der Kolo­nial­waren­laden – wer Essen, Trinken und Bücher gle­ich­sam zu seinem Lebenselix­ier zählt, sollte hier nicht hinge­hen. Wer gerne kocht, auch nicht. Isle of Skye – wer gerne Spir­i­tu­osen kauft, keines­falls auf­suchen! Oelkrug Hem­den – wer man sich ein­mal im Leben ein echtes Hemd leis­ten will, bloß nicht. Anjy’s Haferl – Antikes, für das man keine Kred­itkarte benötigt. Nr.7 – für Hedo­nis­ten. Die aufgezählten Läden führen einen in die besten Einkauf­s­gassen der Stadt. Zusam­mengenom­men führen sie auch in den finanziellen Ruin. Ich bin glück­licher Weise trainiert im “Danke! Ich-schaue-nur.”

Shop­ping ist erschöpfend und für den Zuck­er­spiegel empfehle ich darum die Kuchen im Dichtl, Euringer oder – wer einen Spazier­gang mag – im Cafe Schenck. Etwas im Abseits gele­gen. Für den Kaf­fee würde ich dann auch in das Il Vicolo zurück­kom­men. Ja das würde ich.

Zuckerkunst im Dichtl

Um den Gourmets dieser Metro­pole auf die Schliche zu kom­men, klickt man sich als Orts­fremder ein­fach durch das Gastro-Ranking von tri­pad­vi­sor, Yelp oder bei Miche­lin im Inter­net. Teils nach Bew­er­tung sortiert, lohnt der Blick auf die Kom­mentare unter der jew­eili­gen Gastro-Empfehlung. Die per­sön­liche Auswahl sollte nicht nach der Bew­er­tung der User, dem Rank­ing son­dern nach eigenem Gefühl geschehen. Es gibt viele gute Adressen, da diesel­ben jedoch weniger pop­ulär sein kön­nen, haben sie mitunter weniger Kom­mentare oder Punkte und erscheinen erst weiter unten im Rank­ing. Dieselbe Recherche emp­fiehlt sich für das Aben­dessen – ich bin außer­stande die Gourmet-Tipps der Stadt für Fremde zu pri­or­isieren. Viele sind eine Gefahr für die Figur. Je nach­dem welcher Alter­sklasse man ange­hört. Vielle­icht also lieber Augs­burger Hotspots mit veg­a­nen Gerichten auf der Speisekarte: Damn Burger, Striese, Die Extrave­g­an­ten, K41 oder Cafe Dreizehn. Die Max­i­m­il­ian­sklause möchte ich nicht empfehlen, um hier weit­er­hin Ruhe, kein Schi Schi und knus­prige Schnitzel zu bekom­men.

Als Wahl-Hamburger hatte ich in Augs­burg viel Zeit damit ver­bracht, nach Nacht­lokalen zu stöbern. Durch das Hören­sagen, Inter­net und offline vor Ort. Ich liebe Kaschem­men – Kneipen, wo Fremde jeglicher Couleur zusam­menkom­men, unvor­ein­genom­men, keiner Com­mu­nity ange­hörig, eher willkom­men weil fremd. Egal ob alt, Hip­ster oder mul­ti­ple Per­sön­lichkeit. Musik nur gegen Münzgeld aus der Musik-Box. In Augs­burg habe ich keine Musik­box gefun­den. Dafür das Hallo Werner, das Prager Stüberl, die Haifis­chbar und das Vic­tor. Ken­nen­ler­nen möchte ich noch das Kreuzweise und The Drunken Mon­key. Kathari­nas Treff kön­nte mir auch passieren. Ein Besuch dürfte den Hor­i­zont erweit­ern. 

Wenn man auf Hor­i­zon­ter­weiterung steht, kann man ja Kul­tur wie Dro­gen ein­set­zen. Sie wirkt berauschend. Berauschende Kul­tur bekommt man unter Garantie im Neruda, Savoy oder der Kresslesmühle. Das örtliche Stadtthe­ater berauschte mich bisweilen nicht. Mag sich ändern. 

Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir Augs­burg. Sein Bienen­stich, der Datschi, die Geschmack­losigkeit in den Schaufen­stern oder die Lieblosigkeit der Hip­ster gegenüber dem Hip­ster­tum. In dieser Stadt geschieht etwas. So auch mit mir. Ich beginne Kirchen bril­liant, inner­städtis­che Diskus­sio­nen um Bürg­er­entscheide drama­tisch zu finden. Ich halte ein Grillen im Fluß­bett des Lechs für nacheifern­swert. Keinen Bartschnei­der emp­fand ich als so pro­fes­sionell wie meinen türkischen Friseur in der Wer­tachstraße oder nichts außer dem Yoga so her­rlich entspan­nend wie Frozen Mar­gar­i­tas im hal­ben Liter vor der Rathaustür zu trinken. Und sel­ten habe ich Men­schen so offen und engagiert erlebt. Ich denke an das Übergepäck eines Flüchtlings, das Con­tact, das Cafe am Milch­berg oder das Grand­ho­tel.

Man möge mir nach­se­hen, das diese Stadt viel mehr bietet als ich zu ahnen ver­mag und es darum hier nicht ste­hen kann. Unter­stützung willkom­men.

von Marc Alexan­der Holtz
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